Chancen für Telekoms in Beitrittsländern
Die Erweiterung der Europäischen Union durch zehn neue Beitrittsländer bedeutet für viele Technologiefirmen sowie Telekoms vor allem die Erschließung neuer Märkte und die Auslagerung von Betrieben bei günstigen Rahmenbedingungen.
Während bei den 15 bisherigen EU-Staaten das Wachstum aufgrund gesättigter Markte nur mehr beschränkt möglich ist, bieten die neuen Länder teilweise noch Raten im zweistelligen Bereich.
Im Umbruch befindet sich derzeit der Telefoniemarkt, der von zwei Entwicklungen gekennzeichnet ist: Der Liberalisierung und dem damit verbundenen massiven Einstieg westeuropäischer Anbieter sowie dem Zurückdrängen des Festnetzes durch den Mobilfunk.
Angesichts der tendenziell maroden Infrastruktur im Festnetzbereich und unzureichenden Abdeckung der Bevölkerung mit Telefonanschlüssen schiebt der Mobilfunk das Wachstum der Telekommärkte an.
Mobilfunk-Boom in den EU-BeitrittsländernTelekommärkte mit starkem Wachstum
Die Telekommärkte sind zudem von dem erst beginnenden Aufbau von Breitband-Internet sowie Privatisierungen geprägt.
Am stärksten wächst der Telekommarkt mit etwa 17 Prozent in Rumänien und der Slowakei, gefolgt von Ungarn [elf Prozent], Polen [acht Prozent] und Tschechien [sieben Prozent]. Die EU-Märkte wachsen im Schnitt vergleichsweise um 4,5 Prozent.
Osteuropäische Telekommärkte holen auf2003 beliefen sich alleine die IT-Ausgaben der Beitrittsländer auf 10,6 Mrd. USD [8,61 Mrd. Euro], so das internationale Beratungsunternehmen IDC.
IT-Wachstum in EU-BeitrittsländernHohe Telefoniekosten
Die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für Telekomdienste verzeichnet mit 465 Euro das kleine Slowenien, gefolgt von Ungarn [364 Euro], Tschechien [305 Euro], der Slowakei [239 Euro] und Polen [227 Euro]. In der EU liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Umsatz bei 671 Euro.
Laut einem von der slowakischen Tageszeitung "Sme" durchgeführten Vergleich nach Kaufkraftparitäten kosten drei Gesprächsminuten in der Slowakei 16,93 Kronen [0,42 Euro], in Tschechien 11,07 Kronen, in Ungarn 10,95 und in Polen 6,64. Der EU-Durchschnitt beträgt 5,95 Kronen.
Festnetz-Kosten über EU-DurchschnittStaaten verstärken Investitionen
Währenddessen versuchen die Beitrittsländer mit Vergünstigungen die heimische IT-Durchdringung zu verstärken.
Entgegen EU-Vorschrift und Beitrittsvertrag hat das polnische Parlament eine Mehrwertsteuerbefreiung für Internet-Dienstleistungen an Privatkunden beschlossen. Nach dem Gesetz müssen nur Firmen für ihren Internetzugang 22 Prozent Mehrwertsteuer zahlen.
Polen will Internet-Steuer nicht anhebenWeitere Länder rüsten auf
Auch zukünftige Beitrittsländer wie Rumänien verstärken ihre
Investitionen. Die rumänische Regierung will bedürftige Familien mit
schulpflichtigen oder studierenden Kindern Zuschüsse für die
Anschaffung eines Computers zu bewilligen.
Rumänien subventioniert IT-AusbildungMobilkom und chello profitieren
Von den österreichischen Anbietern haben bereits einige auf den Beitritt reagiert. So ist die mobilkom austria, die Mobilfunk-Tochter der Telekom Austria, bereits seit längerem über ihre Tochter Si.mobil in der Slowenien vertreten. Daneben ist die mobilkom auch über VIPnet in Kroatien vertreten.
Auch der Kabel-Internetanbieter chello hat 2003 vom Wachstum im EU-Osten profitiert. Am stärksten ist laut chello der polnische Markt gewachsen, der um 130 Prozent auf 32.600 Kunden zulegte.
Mobilkom an UMTS in Kroatien interessiertIn Ungarn, wo chello wie in Polen seit vier Jahren vor Ort ist, betrug das Kundenwachstum demnach gut 46 Prozent [Kunden: 41.300].
EU-Beitrittsländer lassen chello wachsenOutsourcing in Beitrittsländer
Die EU-Beitrittsländer sind neben einer Reihe asiatischer Staaten aber auch die bevorzugten Ziele von Outsourcing-Projekten.
Nach dem "Offshore Location Attractiveness Index" [OLAI] der Managementberatung A.T. Kearney liegt Tschechien weltweit an vierter Stelle, wenn es um die Attraktivität als Zielland für die Auslagerung von Unternehmensprozessen geht, Polen auf Rang zehn und Ungarn auf Platz elf.
Kostenersparnis allein ist allerdings laut A.T. Kearney nicht mehr der einzige Grund für das Auslagern von Unternehmensprozessen ins Ausland.
Rangliste des globalen Job-Karussells
