15.04.2004

INDEX

Rangliste des globalen Job-Karussells

Die EU-Beitrittsländer sind neben einer Reihe asiatischer Staaten die bevorzugten Ziele von Outsourcing-Projekten.

Nach dem "Offshore Location Attractiveness Index" [OLAI] der Managementberatung A.T. Kearney liegt Tschechien weltweit an vierter Stelle, wenn es um die Attraktivität als Zielland für die Auslagerung von Unternehmensprozessen geht, Polen auf Rang zehn und Ungarn auf Platz elf.

Das Beispiel der Produktion der Microsoft-Spielkonsole Xbox in Ungarn zeigt allerdings, wie hart und vor allem schnell der Konkurrenzkampf zwischen verschiedenen Standorten sein kann:

Nach nur rund einem Jahr verlagerte der Auftragsfertiger Flextronics 2002 auf Initiative des Auftraggebers Microsoft hin die Produktion der Konsole für den europäischen Markt nach China.

Faktoren

Kostenersparnis allein ist allerdings laut A.T. Kearney nicht mehr der einzige Grund für das Auslagern von Unternehmensprozessen ins Ausland. Für den OLAI wurden daher neben den zu erwartenden Kostensenkungen auch das wirtschaftliche und politische Umfeld sowie die Qualifikation der verfügbaren Arbeitskräfte betrachtet.

Der Trend zum "Offshoring" wird auch in den kommenden Jahren bestehen bleiben, betont A.T.-Kearney-Österreich-Geschäftsführer Florian Haslauer. Dennoch sei Offshoring kein Allheilmittel gegen den allgemeinen Kostendruck.

Unternehmen treffen demnach entsprechende Entscheidungen immer differenzierter. So holten der US-Computer-Hersteller Dell und der US-Finanzdienstleister Lehman Brothers Call-Center zurück in die USA, weil sie mit der "offshore" gebotenen Qualität nicht zufrieden waren, während drei indische Offshoring-Anbieter in Kanada aktiv geworden sind, um nah am US-amerikanischen Markt zu sein.

Globales Karussell

Längst geht es beim Offshoring nicht mehr nur um einfache Prozesse aus Fertigung und Verwaltung. Immer häufiger werden auch Aufgaben, die bessere Produktivität, höhere Service-Qualität und technische Fähigkeiten erfordern, in andere Länder verlagert:

"Klassische Bereiche, die die Länder der ersten Welt gerne zu ihren ureigenen Kernkompetenzen zählen", so Haslauer. Hier offenbare sich die wahre Herausforderung des Offshoring.

Länder wie Österreich müssten dafür sorgen, dass Qualifikation und Ausbildung im Land ihren Vorsprung vor den Offshoring-Zielländern behalten.

Der Offshore Location Attractiveness Index bewertet die betrachteten Länder in drei verschiedenen Kategorien: Kosten, Umfeld und Arbeitsmarkt.