Rangliste des globalen Job-Karussells
Die EU-Beitrittsländer sind neben einer Reihe asiatischer Staaten die bevorzugten Ziele von Outsourcing-Projekten.
Nach dem "Offshore Location Attractiveness Index" [OLAI] der Managementberatung A.T. Kearney liegt Tschechien weltweit an vierter Stelle, wenn es um die Attraktivität als Zielland für die Auslagerung von Unternehmensprozessen geht, Polen auf Rang zehn und Ungarn auf Platz elf.
Das Beispiel der Produktion der Microsoft-Spielkonsole Xbox in Ungarn zeigt allerdings, wie hart und vor allem schnell der Konkurrenzkampf zwischen verschiedenen Standorten sein kann:
Nach nur rund einem Jahr verlagerte der Auftragsfertiger Flextronics 2002 auf Initiative des Auftraggebers Microsoft hin die Produktion der Konsole für den europäischen Markt nach China.
Microsoft begründet diesen Schritt mit erheblichen Einsparmöglichkeiten.
Xbox-Produktion wird nach China verlagertFaktoren
Kostenersparnis allein ist allerdings laut A.T. Kearney nicht mehr der einzige Grund für das Auslagern von Unternehmensprozessen ins Ausland. Für den OLAI wurden daher neben den zu erwartenden Kostensenkungen auch das wirtschaftliche und politische Umfeld sowie die Qualifikation der verfügbaren Arbeitskräfte betrachtet.
Der Trend zum "Offshoring" wird auch in den kommenden Jahren bestehen bleiben, betont A.T.-Kearney-Österreich-Geschäftsführer Florian Haslauer. Dennoch sei Offshoring kein Allheilmittel gegen den allgemeinen Kostendruck.
Unternehmen treffen demnach entsprechende Entscheidungen immer differenzierter. So holten der US-Computer-Hersteller Dell und der US-Finanzdienstleister Lehman Brothers Call-Center zurück in die USA, weil sie mit der "offshore" gebotenen Qualität nicht zufrieden waren, während drei indische Offshoring-Anbieter in Kanada aktiv geworden sind, um nah am US-amerikanischen Markt zu sein.
Die ersten drei Index-Plätze nehmen die Billiglohnländer Indien, China und Malaysia ein. Als weitere attraktive Zielländer für Unternehmensauslagerungen folgen hinter Tschechien Singapur, die Philippinen, Brasilien, Kanada und Chile. Unter den 25 weltweit attraktivsten Ländern sind auch die alten EU-Ländern Portugal [19], Spanien [22] und Irland [23].
Outsourcing-Arbeitsplätze in den USAGlobales Karussell
Längst geht es beim Offshoring nicht mehr nur um einfache Prozesse aus Fertigung und Verwaltung. Immer häufiger werden auch Aufgaben, die bessere Produktivität, höhere Service-Qualität und technische Fähigkeiten erfordern, in andere Länder verlagert:
"Klassische Bereiche, die die Länder der ersten Welt gerne zu ihren ureigenen Kernkompetenzen zählen", so Haslauer. Hier offenbare sich die wahre Herausforderung des Offshoring.
Länder wie Österreich müssten dafür sorgen, dass Qualifikation und Ausbildung im Land ihren Vorsprung vor den Offshoring-Zielländern behalten.
Der Offshore Location Attractiveness Index bewertet die betrachteten Länder in drei verschiedenen Kategorien: Kosten, Umfeld und Arbeitsmarkt.
Dabei tragen die Kosten mit 40 Prozent zum Gesamtergebnis bei und die beiden anderen Kategorien zu je 30 Prozent. Singapur, Irland und Kanada bieten demnach Unternehmen die attraktivsten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Bei der Qualifikation der Arbeitskräfte rangieren Kanada, Australien und Irland auf den vorderen Plätzen. Bester in Hinblick auf die verfügbaren Arbeitskräfte ist Indien, das auch die niedrigsten Kosten bietet und in Summe wie bereits im Vorjahr das attraktivste Offshoring-Zielland ist.
Outsourcing-Tempo soll anziehen
