Der letzte Dot.com-Star tritt ab
Der angekündigte Rücktritt von Steve Case als Verwaltungsratsvorsitzender des weltgrößten Medienkonzerns AOL Time Warner ist offensichtlich mehr als nur eine Personalie.
Er symbolisiert die endgültige Demontage der Manager-Stars aus der Dot.com-Ära, womit auch eine Beerdigung der entsprechenden "Internet-Visionen" einhergeht, wie man am Beispiel von Bertelsmann derzeit sehr deutlich sehen kann.
Case tritt zwar nicht von allen Ämtern zurück, trotzdem kann der Rücktritt getrost als Degradierung verstanden werden, da Case nicht nur AOL-Gründer war, sondern als solcher eigentlich den Traditionskonzern Time Warner "geschnupft" hatte.
Die erhofften Synergieeffekte traten allerdings nach der Fusion nicht ein, und der Umbau des Konzerns zum "digitalen Medienhaus" kann als gescheitert betrachtet werden.
Seit der Fusion zum weltgrößten Medienkonzern haben die AOL-Aktien fast 70 Prozent ihres Wertes verloren. Schon im September hatte Großaktionär und CNN-Gründer Ted Turner den Rücktritt des AOL-Mitbegründers gefordert. Nun gab Case auf. Er stelle die Interessen des Unternehmens vorne an, begründete er in einem Interview seinen Entschluss, der über die Weihnachtsfeiertage gereift sei. Case will auch nach seinem Rücktritt im Mai Mitglied des Aufsichtsgremiums und gemeinsamer Leiter des Strategieausschusses im Verwaltungsrat bleiben.
AOL-Time-Warner-Chef tritt zurückDot.com-Blase schon abgeschrieben
Wirtschaftlich hat AOL Time Warner den Niedergang der New Economy schon weitgehend "bewältigt".
Der Konzern hat vor einem Jahr 54 Milliarden USD [damals 61,4 Milliarden Euro] abgeschrieben, die den spekulativen Verlust des Konzernwertes während des Mergers von AOL und Time Warner reflektieren sollten.
Von der Größenordnung her entsprach die Sonderabschreibung etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Neuseeland oder Ungarn.
Dazu könnte demnächst aber auch noch ein "Nachschlag" kommen: AOL Time Warner wird einem Zeitungsbericht zufolge 2002 eine Abschreibung von mindestens zehn Mrd. USD [9,64 Mrd. Euro] für die Internet-Tochter America Online verbuchen.
AOL Warner schreibt 54 Mrd. USD abIn bester Gesellschaft
Steve Case befindet sich als [fast] geschasster Topmanager der Dot.com-Ära allerdings in bester Gesellschaft.
Schon im August 2002 "erwischte" es Case' Kollegen Robert Pittman, der als Chief Operating Officer [COO] von AOL Time Warner zurücktreten musste.
Mit ihm musste einer der vehementesten Verfechter der Anfang 2000 geschlossenen Fusion das Unternehmen verlassen.
Robert Pittman tritt zurückVivendi
Kurz davor wurde beim Medienkonzern Vivendi Universal der umstrittene Vorstandschefs Jean-Marie Messier mehr oder weniger offen aus dem Amt vertrieben.
Messier hatte den Konzern ebenso zielstrebig wie Verlust bringend zu einem digitalen Medienhaus umgebaut.
Vivendi-Chef Messier wird abgelöstBertelsmann
Ein sehr ähnliches Schicksal wie Messier ereilte Ende August 2002 dann auch Thomas Middelhoff, der als Bertelsmann-Chef abtreten muste.
Seit Middelhoffs Abgang haben wieder "konservative" Manager das Sagen bei Bertelsmann, die im letzten halben Jahr die Internet-Strategie konsequent zurückgefahren haben.
Thomas Middelhoff tritt zurück
