13.01.2003

KONSEQUENZEN

Bildquelle: APA / ORF.at

Der letzte Dot.com-Star tritt ab

Der angekündigte Rücktritt von Steve Case als Verwaltungsratsvorsitzender des weltgrößten Medienkonzerns AOL Time Warner ist offensichtlich mehr als nur eine Personalie.

Er symbolisiert die endgültige Demontage der Manager-Stars aus der Dot.com-Ära, womit auch eine Beerdigung der entsprechenden "Internet-Visionen" einhergeht, wie man am Beispiel von Bertelsmann derzeit sehr deutlich sehen kann.

Case tritt zwar nicht von allen Ämtern zurück, trotzdem kann der Rücktritt getrost als Degradierung verstanden werden, da Case nicht nur AOL-Gründer war, sondern als solcher eigentlich den Traditionskonzern Time Warner "geschnupft" hatte.

Die erhofften Synergieeffekte traten allerdings nach der Fusion nicht ein, und der Umbau des Konzerns zum "digitalen Medienhaus" kann als gescheitert betrachtet werden.

Dot.com-Blase schon abgeschrieben

Wirtschaftlich hat AOL Time Warner den Niedergang der New Economy schon weitgehend "bewältigt".

Der Konzern hat vor einem Jahr 54 Milliarden USD [damals 61,4 Milliarden Euro] abgeschrieben, die den spekulativen Verlust des Konzernwertes während des Mergers von AOL und Time Warner reflektieren sollten.

Von der Größenordnung her entsprach die Sonderabschreibung etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Neuseeland oder Ungarn.

In bester Gesellschaft

Steve Case befindet sich als [fast] geschasster Topmanager der Dot.com-Ära allerdings in bester Gesellschaft.

Schon im August 2002 "erwischte" es Case' Kollegen Robert Pittman, der als Chief Operating Officer [COO] von AOL Time Warner zurücktreten musste.

Vivendi

Kurz davor wurde beim Medienkonzern Vivendi Universal der umstrittene Vorstandschefs Jean-Marie Messier mehr oder weniger offen aus dem Amt vertrieben.

Bertelsmann

Ein sehr ähnliches Schicksal wie Messier ereilte Ende August 2002 dann auch Thomas Middelhoff, der als Bertelsmann-Chef abtreten muste.