Hollywoods Probleme sind hausgemacht
Im ersten Halbjahr dieses Jahres verzeichneten die deutschen Filmtheater ein Minus von 16,6 Prozent, teilte die Filmförderungsanstalt Berlin [FFA] am Freitag in ihrer Halbjahresbilanz mit.
Die Zuschauerzahlen gingen von insgesamt 72,3 Millionen im gleichen Zeitraum 2004 auf jetzt 60,3 Millionen zurück. Mit 352,5 Millionen Euro Umsatz flossen trotz einer leichten Preiserhöhung 67 Millionen Euro weniger in die Kinokassen als im Vorjahr - das bedeutet ebenfalls ein Minus von 16 Prozent.
Auch in den USA wird ein Einbruch der Ticketverkäufe vom letzten Sommer bis diesen Sommer von mindestens 11,5 Prozent erwartet, so eine Schätzung von Exhibitor Relations.
Grund für den Einbruch seien vor allem zahlreiche Kinoflops aus Hollywood, so die FFA. Für eine gute Auslastung seien amerikanische Blockbuster unabdingbar - "und die blieben in diesem Halbjahr auf ganzer Breite aus".
Besonders desaströs war laut FFA das Ergebnis im Juni, in dem sich im Vergleich zum Juni 2004 die Kinobesucherzahlen nahezu halbierten: Die vermeintlichen US-Blockbuster "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith" und "Batman Begins" konnten die hohen Erwartungen nicht erfüllen.
Video killt Audio-DownloadsEnttäuschte Zuschauer
Die US-Studios produzieren laut FFA derzeit nicht nur am europäischen Publikumsgeschmack vorbei, sondern sogar an dem der Kinofans im eigenen Land. Beinahe überall gebe es Besucherrückgänge mit meist zweistelligen Prozentzahlen: gut acht Prozent in Großbritannien, 13 Prozent in Frankreich und 17 Prozent in Italien.
So ähnlich sehen das auch einige Studiobosse in Hollywood, berichtet die "New York Times" ["NYT"]. Daneben werden von der Industrie aber auch die gestiegenen Benzinpreise, falsches Marketing und Handys in Kinos als Übeltäter vermutet.
Einige Studiobosse geben jedoch ganz unumwunden zu, dass nicht nur die Filme dieser Saison, sondern schon jene der früheren Saisonen die Erwartungen der Kinogeher schlicht nicht erfüllt haben.
Die Zuschauer könnten den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Film bereits aus der Entfernung riechen, meint etwa Michael Lynton von Sony Pictures Entertainment, die diesen Sommer einige Flops wie etwa "Stealth" hatten.
Am Donnerstag hatte die US-Filmindustrie hat eine neue Klagewelle gegen US-Nutzer von Tauschbörsen losgelassen.
US-Filmindustrie klagt weiterKonkurrenz wird härter
Marc Shmuger, Vizechef von Universal Pictures, meint, dass Hollywood bei der Planung seiner Filme einfach zu kurzfristig war und nur den schnellen Absatzerfolg an den Kinokassen im Auge hatte, anstatt den elementarsten Faktor von allen: die Befriedigung des Kinobesuchers.
Die Konkurrenz um den unterhaltungswilligen Konsumenten ist zudem härter geworden: Videospiele, Dutzende TV-Kanäle und auch DVDs buhlen gemeinsam mit dem Kino um die Aufmerksamkeit und das Geld der Konsumenten.
Das dafür bereitstehende Equipment in den Wohnzimmern wird ebenfalls immer besser. Auch wenn es nicht das Flair und die Größe eines Kinosaals liefert, kann man im eigenen Heim ruhig aufs WC gehen, telefoniere oder mit den Naschereien rascheln, ohne Wichtiges zu versäumen oder dem Nachbarn auf die Nerven zu gehen.
Neuer Anlauf für legale Film-DownloadsMehr Augenmerk auf Filmqualität
Eines scheint klar: Die Nerven liegen blank und allerorts wird nach Auswegen gesucht. Um das Fernbleiben der Kinobesucher aufzufangen, schlug der zukünftige Disney-Chef Robert Iger letztens vor, DVDs zeitgleich zum Kinostart auf den Markt zu bringen, wohl auch um den Tauschbörsen möglichst wenig Chance zu lassen.
Die US-Kinobetreiber, die um ihr Geschäft fürchten, halten die Struktur der Industrie für gesund - es brauche einfach mehr gute Filmen, meint John Fithian, Chef der Vereinigung der US-Kinobetreiber.
Eines scheint sich aber abzuzeichnen: Die Studios wollen sich bei ihren Filmen wieder um mehr Qualität bemühen. Lynton etwa will sich auf Filme konzentrieren, die, "wie wir hoffen, wirklich gut werden", Shmuger will ebenfalls mehr "Zeit, Sorgfalt und Leidenschaft" in die Filmproduktion stecken.
Einige der Filme dieses Sommers, so Shmuger, hätten niemals gemacht werden dürfen - welche, wollte er gegenüber der "NYT" nicht näher ausführen.
