Neuer Anlauf für legale Film-Downloads
Der Schauspieler Morgan Freeman und der Chip-Hersteller Intel gaben bekannt, gemeinsam daran zu arbeiten, Filme noch vor dem Erscheinen auf DVD im Internet zum Download anbieten zu wollen.
Intel investiert dazu eine ungenannte Summe in ClickStar, gegründet von Freemans Revelations Entertainment.
Bisher haben sich die Filmstudios in Hollywood regelrecht geziert, ihre Filme im Netz anzubieten. Sie fürchteten vor allem die widerrechtliche Weitergabe und dadurch Einbußen wie bei der Musikindustrie. Zudem wollten sie ihr eigenes Geschäft mit den DVDs nicht kannibalisieren.
Doch nun zeichnet sich auch hier ein Einbruch ab. Immer mehr DVDs konkurrieren in den Regalen, die Händler müssen ihr Angebot ständig auswechseln und relativ frische Filme wieder auslisten. Hier könnten nun die Download-Angebote greifen.
Freeman will Kunden mit einer "simplen, einfachen und attraktiven" Alternative zu Tauschbörsen locken und damit auch die Befürchtungen der Industrie zerstreuen. Nähere Details nannte Freeman gegenüber der Presse keine, außer dass ClickStar vom früheren Sony-Picture-Chef Nizar Allibhoy geführt wird.
Web schadet Plattenindustrie nichtRestriktive Nutzungsbedingungen
Anbieter wie Movielink, von den fünf großen Studios selbst gegründet, und CinemaNow bieten in den USA zwar seit einiger Zeit Filme im Netz an, doch ihr Erfolg hielt sich bis dato sehr in Grenzen. Movielink zählte zuletzt 100.000 Downloads im Monat.
Sie hatten nicht nur mit der geringen Auswahl und restriktiven Nutzungsbedingungen zu kämpfen, sondern auch damit, dass die Studios ihnen die Filme erst zwei bis drei Monate nach dem Verkaufsstart der DVDs zum Verkauf bereitstellen.
Auch wollen nicht alle User ihre Filme auf dem PC ansehen, sondern ziehen den Fernseher vor. Bei der Qualität kann zudem ein komprimierter Film in einer halbwegs brauchbaren Größe an eine DVD nicht heranreichen.
War bisher noch die Angst vor Raubkopien dominierend, scheint sich unter den Verantwortlichen nun langsam ein gegenläufiger Trend abzuzeichnen, vor allem in Hinblick auf neue Einnahmequellen.
Die Filmstudios basteln auch an eigenen Angeboten. Sony hat 500 Filme digitalisiert, Universal Pictures bereitet 200 Filme für den Download vor und Warner Brothers gab zuletzt an, bereits den Großteil seiner Bibliothek von 5.000 Filmen digitalisiert zu haben.
Filmindustrie geht auf TV-Downloads losWer bekommt die Macht?
So sprach etwa der zukünftige Disney-Chef Robert Iger davon, dass er an Konzepten wie "Desperate Housewives Plus" interessiert sei, bei dem die Seher einen Tag nach Ausstrahlung der Episode diese mit Zusatzcontent herunterladen könnten.
Wie genau allerdings die Businessmodelle aussehen könnten, darüber sind sich auch die Studiobosse noch nicht einig. Während einige glauben, dass die Nutzer ihre DVD-Samlungen einfach digitalisieren möchten, wollen andere die Nutzungsbedingungen auf etwa einen Rechner beschränken.
Die Preise werden sich auf jeden Fall danach richten müssen, kaum ein User wird für weniger Leistung [also ohne Box und Zusatzcontent] gleich viel zahlen wie für eine DVD - vor allem wenn die Nutzung beschränkt ist.
Kevin Tsujihara von Warner Brothers meint, dass Hollywood über seinen Schatten springen müsse, um den Kunden das zu geben, was diese wollen. Gerade die Musikindustrie habe gezeigt, was passiert, wenn man vor lauter Angst um das eigene Geschäft Chancen verpasst.
