Patentstreit erreicht Tauschbörsen
Obwohl und möglicherweise auch gerade weil sich die Tauschbörse KaZaA gerade in Australien vor Gericht verantworten muss, wurde nun auch in der P2P-Szene die Patentkarte ausgespielt.
In einem Brief an Tauschbörsen-Betreiber in den USA, unter anderem Lime Wire, BearShare und Mashboxx, fordert Altnet, Content-Partner der Tauschbörse KaZaA, diese auf, Lizenzen für die zugrunde liegende Technologie zu zahlen.
Altnet geht davon aus, dass die meisten der Tauschbörsen die Technologie des Hashen nutzen, an der die Firma die Patente hält. Zwar wird nicht explizit mit einer Klage gedroht, stattdessen werden die Betreiber zur "Diskussion von Lizenz-Möglichkeiten" eingeladen.
Sollte der Patentanspruch vor Gericht standhalten, würde dies eine neue Einnahmequelle für Altnet bedeuten. Derzeit allerdings reißt der Brief einen tiefen Graben in die ohnedies gespaltene P2P-Szene.
Altnet = Sharman?
Altnet hat bereits einen Lizenz-Deal mit dem KaZaA-Betrieber
Sharman vereinbart. Laut eigenen Angaben haben die beiden Firmen ein
"Joint Enterprise Agreement", die tatsächliche Verflechtung der
beiden Firmen ist unter anderem gerade Gegenstand der gerichtlichen
Auseinandersetzung in Australien.
KaZaA kommt vor Gericht in BedrängnisAltnet und Sharman versuchen bereits seit einiger Zeit die Film- und Musikindustrie davon zu überzeugen, Tauschbörsen auch für ihre Zwecke zu nutzen und kostenpflichtige Downloads dort anzubieten.
KaZaA bietet RIAA Kooperation anPatent auf Hash
Die Empfänger der Briefe wie auch Copyright-Experten bezweifeln, dass Altnets Anspruch einer gerichtlichen Prüfung standhält, da die Patente eine breite wissenschaftliche Prämisse abdecken, die vor Altnet, Tauschbörsen und auch dem Internet datiert.
Im Detail geht es um "Hashing", dabei werden einzigartige Tags an ein digitales File gehängt. Durch den Vergleich der Hashes anstatt des gesamten Files können P2P-Börsen die Such-Anfragen nach bestimmten Songs oder anderen Dateien schneller be- und verarbeiten.
Bearshare nutzt laut seinem Technik-Chef Sam Darwin Hashes um Files zu identifizieren, doch die Technologie sei Common Sense und mittlerweile Routine in der P2P-Welt.
Laut Altnet-Anwalt Lawrence Hadley wurde zumindest eines der Patente vor Gericht bestätigt.
Das Patentrecht in den USA verlangt zwar, dass Erfindungen neuartig und nützlich sind, doch das US-Patentamt hat in den letzten Jahren einige zweifelhafte Patente vergeben.
Gute Geschäfte mit Software-PatentenÜbers Ziel hinaus
2000 reichte einer der ursprünglichen Patentinhaber Digital Island gegen Akamai Klage ein, weil auch Akamai Hashes verwendet. Die Jury befand damals, dass Akamai zwar die Technologie nicht einsetzt, doch das Patent an sich sei gültig, so Hadley. Altnet selbst hat die Patente von Ronald Lachman lizenziert, der 2003 Chef-Wissenschaftler bei Brilliant Digital wurde.
Inzwischen überlegen die Tauschbörsen-Betreiber bereits gemeinsam gegen Altnet gerichtlich vorzugehen und dazu ihre Kräfte zu bündeln.
Zwar hat Altnet laut Hadley derzeit keine Pläne für Klagen vorbereitet, doch beim Versenden der Briefe dürfte Altnet zumindest teilweise übers Ziel hinausgeschossen haben.
So erhielt auch der Chef von Mashboxx einen derartigen Brief - jedoch: die Tauschbörse ist noch nicht gestartet. "Nachdem ich mit dem Lachen aufgehört habe, habe ich den Brief noch mal gelesen und fand es sehr amüsant für etwas verklagt zu werden, was noch gar nicht auf dem Markt ist und auch noch niemand gesehen hat", so Mashboxx-Chef Wayne Rosso.
Konstante Linie durch die Reihen
Doch Altnet scheint es durchwegs Ernst zu meinen und hat auch die
RIAA, den Interessensverband der US-Musikindustrie, und drei Firmen,
die die RIAA dafür bezahlt in Tauschbörsen nach
Copyright-geschützten Songs Ausschau zu halten und deren Tausch zu
unterbinden, geklagt. Laut Altnet verletzt auch deren eingesetzte
Technologie ihre Hash-Patente, der Fall soll aber laut Hadley nur
dazu dienen, der Musikindustrie einen vor den Bug zu setzen.
RIAA wegen Patentverletzung geklagt
