US-Schulen verbieten iPod & Co.
Weil viele Schüler MP3-Player als digitale Schummelzettel verwenden, werden digitale Musik-Player an einigen US-Schulen nun verboten.
Schummelzettel sind in der Schule schon lange verboten. Dann kamen die Lehrer dahinter, dass auch Mobiltelefone bei Prüfungen ganz hilfreich sein können. Jetzt gehen mehr und mehr Schulen in den USA auch gegen MP3-Player wie den iPod vor, die sich leicht in der Kleidung verstecken lassen.
"Das geht bei den Jugendlichen schnell", sagt Aaron Maybon von der Mountain View High School in Meridian im US-Bundesstaat Idaho. "Sie finden sehr schnell neue und kreative Wege, um zu schummeln."
Formeln zwischen Musikstücken
Seine Schule hatte kürzlich die digitalen Abspielgeräte verboten, nachdem einige Lehrer bemerkt hatten, dass Schüler auf den Playern Formeln und anderes Material gespeichert hatten.
Die Sprecherin der Vereinigung der Rektoren der US-Oberschulen, Shana Kemp, erklärte, konkrete Zahlen gebe es nicht, aber es sei keineswegs ungewöhnlich, dass MP3-Player in Prüfungen verboten würden.
"Ich glaube, es ist ein Trend", sagt Kemp. Neu sei das Phänomen nicht, dass in Prüfungen mit iPods und ähnlichen Geräten betrogen werde. Es dauere aber immer einige Zeit, bis Lehrern und Schulverwaltungen klar werde, wie die neue Technik eingesetzt werden könne, sagt Kemp. Mit den Verboten könnten die Probleme in Grenzen gehalten werden.
Auch in Bayern wird ein Verbot von MP3-Playern an Schulen diskutiert. Damit soll die Verbreitung von jugendgefährdenden Inhalten verhindert werden.
Keine Musik bei Prüfungen
Einige Schüler nähmen Antworten auf mögliche Prüfungsfragen vorher als Audiodatei auf und speichern sie auf den Playern, berichtet der 16-jährige Damir Bazdar. Andere speichern ihre Spickzettel zwischen den Texten ihrer Lieblingssongs. Die 17-jährige Kelsey Nelson sagt, sie habe nach den Prüfungen immer noch Musik gehört, das sei jetzt nicht mehr möglich.
Das Verbot habe einige Schüler auch nicht davon abgehalten, die Geräte trotzdem bei Prüfungen einzusetzen. "Man versteckt die Ohrhörer und legt dann den Kopf auf die Hand, so, als ob man kurz ausruhen würde", sagt Nelson. "Sie sollten die iPods wieder zulassen. Wer betrügen will, schafft das sowieso, mit oder ohne iPod."
In Italien wurde vor kurzem ein Handyverbot an Schulen erlassen. Mit dem Verbot solle der Störung des Unterrichts und der Aufzeichnung von Gewaltvideos ein Ende bereitet werden. Auch Frankreich will keine Handys an den Schulen. In Österreich ist an ein Handyverbot an Schulen nicht gedacht.
Verbesserte Lernleistung
Einen umgekehrten Weg schlug die Universität Duke in North Carolina ein. Sie stellt ihren Studenten seit drei Jahren iPods zur Verfügung, um zu sehen, ob sich mit diesen Geräten die Lernleistung verbessern lässt.
Keine Erfolge habe es in einigen Fächern wie Musik, Soziologie und Maschinenbau gegeben, sagte Tim Dodd vom Zentrum für Akademische Integrität in Duke. An der Hochschule sei die Zahl der Betrugsfälle in den vergangenen zehn Jahren rückläufig gewesen, so Dodd.
Er führt das darauf zurück, dass die Universität von ihren Studenten akademische Integrität erwarte. "Wenn man gegen die Technik kämpft, ohne zugleich in einen Dialog über Werte und Erwartungen zu treten, dann ist das ein verlorener Kampf."
Der Auto Club Europa [ACE] sieht in MP3-Playern eine Bedrohung für die Verkehrssicherheit und forderte vor kurzem deswegen ein Verbot.
(futurezone | AP)
