Studie bestreitet Online-Gefahr für Kinder

SOZIALE NETZWERKE
14.01.2009

Eine neue US-Studie will mit dem Vorurteil aufräumen, dass das Internet und Soziale Netzwerke wie MySpace für Kinder besonders gefährlich sind. Die Studie wurde unter anderem von MySpace und Microsoft finanziert.

Die Gefährdung von Kindern durch das Internet und Soziale Netzwerke wie MySpace und Facebook wird laut einer am Mittwoch vorgestellten US-Studie überschätzt. Die größte Gefährdung gehe von anderen Kindern aus, nicht etwa von Erwachsenen. Die Kinder tragen mit ihrem eigenen Verhalten selbst dazu bei, wenn sie in Probleme geraten, so der Endbericht der Taskforce. Die Studie wurde vom Berkman Center für Internet & Society an der Havard-Universität veröffentlicht und von IT-Konzernen wie MySpace und Microsoft finanziert.

Die "Internet Safety Technical Task Force" wurde im Februar 2008 von 49 US-Anwälten ins Leben gerufen, um Entwicklungen zu fördern, mit denen verhindert werden kann, dass Sexualstraftäter Kinder online belästigen. Der Taskforce gehören unter anderen Mitarbeiter der Sozialen Netzwerke MySpace und Facebook sowie von Yahoo und AOL an.

Risiko nicht bei allen Kindern gleich groß

Es seien nicht alle Kinder gleich gefährdet, heißt es in der Studie. "Die am meisten vom Risiko Betroffenen verhalten sich oft selbst riskant und haben Probleme in anderen Bereichen ihres Lebens." Und: "Die Risiken, denen Kinder online ausgesetzt sind, sind komplex und facettenreich und unterscheiden sich in den meisten Fällen nicht signifikant von den Problemen, mit denen sie offline zu tun haben." Gemeint sind damit vor allem Mobbing-Attacken von Gleichaltrigen.

Die Kernaussage der Studie: Technologie alleine kann keine Lösung für soziale Probleme sein. Eltern, Lehrer, Mentoren sowie die Kinder selbst seien dabei gefragt, diese Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen, heißt es in der Studie.

MySpace vs. Anwälte

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Die Studie wurde außer von MySpace auch von Microsoft, AOL, Viacom und Symantec mitfinanziert. MySpace steht daher voll und ganz hinter den Kernaussagen der Studie. Doch nicht alle Stimmen in den USA sind so positiv: Der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaats Connecticut, Richard Blumenthal, der einer der treibenden Vertreter für die Gründung der Taskforce war, bezeichnete die Studie als veraltet und unzureichend. Blumenthal sagte, er hätte sich mehr Empfehlungen, wie man die Technologien verbessern könne, von der Taskforce erwartet.

Ein weiterer Kritiker der Studie ist John Phillips, Generaldirektor von Aristotele Corp. und selbst Mitglied der Taskforce. Aristotele stellt Software her, mit der Identität und Alter von Internet-Usern überprüft werden können. Man könne nicht einfach die Verantwortung auf Kinder und Eltern abschieben, sagte Philipps.

Keine Chance mehr für Sexualstraftäter

Soziale Netzwerke, insbesondere MySpace, waren in der Vergangenheit immer öfter in die Schusslinie geraten, wenn es um die Gefährdung von Kindern ging. 2006 kam der Fall eines 14-jährigen Mädchens, das von einem 19-Jährigen sexuell belästigt worden war, vor Gericht. Seitdem hat MySpace viel getan, um die Online-Sicherheit zu verbessern - unter anderem wurden mehrere tausend vorgemerkte Sexualstraftäter aus dem Portal ausgeschlossen.

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(Reuters/AP/futurezone)