MySpace will Teens an die Leine legen
Die US-Social-Networking-Site MySpace arbeitet an einer Überwachungssoftware, die Eltern über das Auftreten ihrer Kinder in der Online-Community Auskunft geben soll. Kritiker sprechen von "moralischer Panik".
Wie das "Wall Street Journal" am Mittwoch berichtet, plant MySpace, eine Informationssoftware für Eltern anzubieten.
Die Software mit dem Namen "Zephyr" soll es den Eltern zwar nicht erlauben, auf die Online-Kommunikation oder die Profilseiten ihrer Kinder zuzugreifen, aber sie wird ihnen immerhin zeigen, unter welchem Namen, Alter und Wohnort der Nachwuchs auf MySpace unterwegs ist.
Eltern sollen die Software kostenlos herunterladen können. "Zephyr" identifiziert daraufhin automatisch alle Nutzer, die sich vom selben Computer aus auf MySpace einloggen, und speichert User-Namen, Alter und Wohnort auf der Festplatte. Nutzer mit Administratorenrechten können auf die Informationen nach der Eingabe eines Passworts zugreifen. Änderungen der Nutzerdaten auf MySpace sollen von der Software ebenso aufgezeichnet werden.
Klage droht
Hintergrund für die Aktion ist eine drohende Klage von 33 US-Staatsanwälten, die von MySpace verlangen, das Teilnahmealter von 14 auf 16 Jahre zu erhöhen und außerdem das Alter der Teilnehmer zu überprüfen.
Erst im Dezember hatte MySpace angekündigt, seine Site gegen registrierte Sexualverbrecher abschirmen zu wollen.
"Moralische Panik"
Die US-Sozialwissenschaftlerin Danah Boyd, die sich ausführlich mit MySpace und anderen Sozialen Netzwerken befasst, spricht in diesem Zusammenhang von "moralischer Panik". Von 1990 bis 2000 sei die Zahl von Fällen sexueller Belästigung von Kindern um 40 Prozent zurückgegangen.
Außerdem würden 78,5 Prozent der Kindesmissbrauchsfälle von einem Elternteil begangen.
Laut Boyds Forschungen ändern zahlreiche Teenager darüber hinaus öfter ihre Profile, werfen sie weg, vergessen die Passwörter und legen ganz neue Identitäten an.
ORF.at hat mit Boyd über den Reiz von MySpace für Teenager, 14-Jährige, die Porno-Divas verehren, und Zugangsbeschränkungen für Online-Communitys gesprochen.
(WSJ | Reuters | futurezone)
