MySpace jagt Sexualstraftäter
Rupert Murdochs Soziales Netzwerk MySpace baut in den USA eine Datenbank mit über einer halben Million Einträgen auf, mit deren Hilfe es Profile von Sexualstraftätern identifizieren will.
Wie die US-Datenbankfirma Sentinel Tech Holding Corp. am Dienstag bekannt gab, wird das Unternehmen für MySpace eine Datenbank erstellen, in der die Profile aller in den USA verurteilten Sexualstraftäter gespeichert sind. Das Projekt läuft unter dem Namen "Sentinel Safe".
"Wir wollen keine Sexualstraftäter auf MySpace", zitiert Sentinel den MySpace-Sicherheitsverantwortlichen Hemanshu Nigam. "Sentinel Safe fragt in Echtzeit alle öffentlich verfügbaren Daten von Sexualstraftätern ab, was es uns einfacher macht, bekannte Problemfälle aus der MySpace-Gemeinde zu entfernen."
Ein rund um die Uhr besetzter Dienst bei MySpace soll die so erfassten Daten ständig überprüfen, gegebenenfalls Profile löschen und die Behörden über die Aktivitäten der Straftäter informieren.
Erst im Oktober hatte der Wired-Journalist und Hacker Kevin Poulsen mit einem Script 100 Millionen MySpace-Profile nach den Namen von Sexualstraftätern durchforstet und war in einem Fall fündig geworden.
550.000 registrierte Sexualverbrecher
Das Unternehmen gibt an, dass "Sentinel Safe" die erste USA-weite, in Echtzeit aktualisierte Datenbank von Sexualstraftätern sein wird. Die Daten kommen von verschiedenen Strafverfolgungsbehörden, die sie auf Grund der US-Gesetzgebung öffentlich verfügbar machen müssen.
Die Datensätze enthalten Namen, Alter und genaue Beschreibungen des Aussehens der betroffenen Personen bis hin zu Informationen über Narben und Tätowierungen. Sentinel gibt an, dass die Datenbank ungefähr 550.000 registrierte Sexualverbrecher umfassen wird.
Die gesetzliche Grundlage
In den USA verpflichtet ein unter dem Namen "Megan's Law" bekanntes Gesetz seit 1996 die Strafverfolgungsbehörden aller Bundesstaaten dazu, die Daten verurteilter Sexualverbrecher öffentlich verfügbar zu halten.
Das erste "Megan's Law" wurde 1994 nach der Vergewaltigung und Ermordung des Mädchens Megan Nicole Kanka durch einen bereits verurteilten und wieder freigelassenen Sexualverbrecher in New Jersey verabschiedet.
MySpace lobbyiert für nationale Datenbank
Laut Presseaussendung setzt sich MySpace auf politischer Ebene im US-Kongress dafür ein, dass Sexualstraftäter dazu gezwungen werden müssten, alle ihre E-Mail-Adressen in einer nationalen Datenbank zu speichern.
Würde ein Sexualstraftäter versuchen, sich mit einer registrierten Mailadresse bei einem Sozialen Netzwerk anzumelden, würde er seine Bewährungsauflagen verletzen.
