18.02.2003

3GSM 2003

Bildquelle: PhotoDisc/3gsm

Microsoft tritt gegen Nokia und Co. an

Beim Treffen der Mobilfunkbranche in Cannes beim diesjährigen "3GSM World Congress 2003" steht der zukünftige Wachstumsmarkt der "Smartphones" im Mittelpunkt, wobei vor allem das Match zwischen den etablierten Handykonzernen einerseits und den Einsteigern Microsoft und Intel andererseits für Spannung sorgt.

Während Microsoft im letzten Jahr auf der 3GSM nur Pläne präsentieren konnte, geht es jetzt schon um die Verteilung von Marktanteilen bzw. Kooperationspartnern.

Der Software-Konzern konnte zum 3GSM-Auftakt T-Mobile als zweiten europäischen Partner nach dem britischen Mobilfunker Orange vorstellen, der ein Smartphone mit der MS-Software auf den Markt bringen wird. Zusammen mit Intel hat MS zudem die baldige Verfügbarkeit einer gemeinsamen "Windows Powered Smartphone"-Plattform angekündigt. Der Mix aus Hard- und Software soll die Herstellung von Smartphones erleichtern.

Die etablierte Konkurrenz um Nokia, die auf Symbian als Software-Plattform setzt, konnte unterdessen mit Samsung einen weiteren wichtigen Hersteller als Symbian-Anteilseigner begrüßen.

Fehler des PC-Marktes vermeiden

Samsung hat sich als weiterer großer Handyhersteller an dem britischen Entwickler von Mobilfunk-Software, Symbian, beteiligt.

San-Jing Park, Chef der Samsung-Mobilfunkabteilung, begründete den Schritt damit, dass man Fehler, die auf dem PC-Markt gemacht wurden, vermeiden wolle: "Sie [MS und Intel] haben dort alle Gewinne an sich gezogen und die Hardware-Hersteller zu Klon-Produzenten gemacht. Wir wollen keine Wiederholung dieser Situation."

Die Aussage ist insbesondere interessant, da Samsung auch Lizenznehmer der MS-Smartphone-Software ist und damit als einziger der großen Handyproduzenten zweigleisig fährt.

T-Mobile geht mit MS

Microsoft konnte unterdessen T-Mobile als Partner präsentieren. Der zweitgrößte europäische Mobilfunkkonzern wird noch in diesem Quartal ein erstes Mobiltelefon mit der Handysoftware von Microsoft auf den Markt bringen.

Bezeichnenderweise handelt es sich dabei aber eben nicht um einen traditionellen Hersteller, sondern um einen Mobilfunkbetreiber, der weniger an seiner Stellung als Handy-Produzent interessiert sein sollte, sondern an einem gezielten Wachstum seiner Datendienste, die mit eigenen Handys natürlich zielgenauer vermarktet werden können.

Imageschädigender Rückschlag

Microsoft benötigt dringend neue Partner für seine Handy-Offensive, da der Konzern im letzten Herbst einen imageschädigenden Rückschlag hinnehmen musste:

Der britische Hersteller Sendo gab im November bekannt, die Entwicklung seines lang angekündigten Smartphones "Z100" einzustellen und das Gerät nicht auf den Markt zu bringen. Stattdessen lief Sendo ins Lager von Nokia über und lizenzierte dessen Plattform 60, die auf Symbian aufsetzt.

Multimedia in Gewinne umsetzen

Aber auch neben dem Kampf um Marktanteile zwischen Symbian und Microsoft bestimmen die Smartphones das 3GSM-Geschehen:

Dabei geht es der Industrie vor allem darum, aus den bisherigen Entwicklungen auch Geschäftsmodelle zu machen: "Wir müssen aufhören, über die Technologie nachzudenken, und dafür um Gottes Willen endlich an den Nutzer", fasste ein Eröffnungsredner die Stimmung zusammen.

Derzeit machen die Smartphones nur einen winzigen Teil [0,5 Prozent] aller verkauften Handys [405 Mio. Stück in 2002] aus.

Allerdings teilt ein Großteil der Branche die Einschätzung des Microsoft-Mobilfunkchefs Juha Christensen, dass in drei Jahren zwei von fünf verkauften Handys "smart" und Multimedia-fähig sein werden.