Microsoft tritt gegen Nokia an
Auf der weltgrößten Handymesse 3GSM, die heute in Cannes eröffnet wird, stehen im Gegensatz zu den letzten Jahren nicht die großen Visionen von der schönen neuen UMTS-Welt im Vordergrund.
Stattdessen scheinen die pragmatische Realisierung neuer mobiler Dienste in GSM- und GPRS-Netzen und der Poker um zukünftige Produktionsstandards im Vordergrund zu stehen.
Dabei wird vor allem das "Match" zwischen Nokia einerseits und Microsoft und Intel andererseits mit Spannung erwartet.
24.000 Besucher aus aller Welt kamen im Vorjahr zur Messe in Cannes, bei der rund 470 Aussteller - von Mobilfunkbetreibern über Systemintegratoren und Investoren bis zu Softwareentwicklern - aus 135 Ländern präsent waren. 7.200 Interessierte besuchten die technischen Konferenzen, 600 Journalisten berichteten im Vorjahr von dem Branchen-Highlight.
3GSMNokia vs Microsoft
Sowohl Microsoft als auch Nokia haben im Vorfeld der 3GSM angekündigt, standardisierte Produktionskonzepte für Smartphones zu präsentieren, welche die Funktionen von Handys und Handhelds vereinen.
Beide Konzerne wollen die eigene Entwicklungsarbeit Drittunternehmen zur Verfügung stellen, die sich dann auf Markenpflege, neue Dienste und Details konzentrieren können.
Microsoft und Nokia hoffen unterdessen, dass ihre Konzepte zu Industriestandards werden, die dann natürlich weitestgehend vom jeweiligen Konzern kontrolliert werden.
Dazu hat Microsoft auch mit zahlreichen Netzwerkbetreibern Kooperationen verbeinbart [T-Mobile, Vodafone, mmO2, Orange, SingTel, Telefonica, Telstra und TurkCell].
Pocket PC 2002 Phone Edition
Microsoft hat in Cannes mit der "Phone Edition" auch ein weiteres
Mitglied der Pocket-PC-2002-Familie vorgestellt. Damit hat Microsoft
sein PDA-OS um Telefoniefunktionen erweitert. Dazu gehören das
Wählen aus den Kontaktadressen, Rufnummernübermittlung, Kurzwahl,
Konferenzschaltung, SMS-Verwaltung und nicht zu vergessen das
Einbinden von individuellen Ruftönen über WAV-Dateien. Die
GPRS-Tauglichkeit hat Microsoft in Pocket PC 2002 grundsätzlich
integriert.
Microsoft mit Smartphone-AllianzenTexas Instruments in beiden Booten
Microsoft setzt bei seinem Versuch, auch auf dem mobilen Markt eigene Standards zu etablieren, auf seinen bewährten Partner Intel.
Gleichzeitig hat der Software-Konzern aber eine angeblich gleichwertige Partnerschaft mit dem Chip-Hersteller Texas Instruments [TI], der wiederum auch mit Nokia kooperiert - TI hat also von allen beteiligten Unternehmen die besten Chancen, auf der Gewinnerseite zu stehen.
Als Software-Lieferant steht Nokia Symbian zur Seite.
TI hat bereits ein Produkt aus der Microsoft-Partnerschaft auf dem Markt. Hewlett-Packard stellt in Cannes mit einer Mobiltelefon-Variante seines Jornada Pocket PC ein Modell vor, das auf der TI-Microsoft-Plattform basiert.
TI mit Chips für Multimedia-HandyRealNetworks wird mobil
RealNetworks hat unterdessen eine mobile Version seiner Multimedia-Streaming-Software angekündigt und hat sich dafür schon die Unterstützung von TI und Intel gesichert, welche die "RealSystem Mobile" jeweils für ihre Chips optimieren sollen.
Intel will in den kommenden Jahren ein Drittel seiner Umsätze mit Handy-Prozessoren erzielen.
Intel will eigenen Angaben zufolge in diesem Jahr fast ein Drittel seines 3,9-Millionen-Dollar-Etats [4,4 Mio. Euro], also rund 1,46 Mio. Euro, für Forschung und Entwicklung in den Kommunikationsbereich investieren.
Intel nimmt Handy-Markt in AngriffMotorola setzt auf Content
Motorola mischt unterdessen bei der Auseinandersetzung zwischen Microsoft und Nokia nicht direkt mit und setzt sattdessen auf die Entwicklung von mobilen Diensten, die das Unternehmen Netzbetreibern anbieten will.
Motorolas "Mobile Services Cafe" soll Mobilfunkbetreibern Dienste auf vier Feldern servieren: Multimedia Messaging [MMS], M-Commerce, Unternehmensvernetzung und Streaming-Dienste.
Motorola wird im dritten Quartal das erste UMTS-Handy auf den europäischen Markt bringen. Motorola teilte mit, die Produktion für das "A820" starte im ersten Halbjahr 2002. Das A820 wird sowohl UMTS- wie auch GSM- und GPRS-tauglich sein, auf Grund der Triple-Band-Technik ist es auch weltweit einsetzbar.
Das erste UMTS-Handy von Motorola
