Provider zur ADSL-Förderung
Nachdem die Forderung der Telekom Austria [TA] nach Staatszuschüssen oder steuerlichen Begünstigungen für den weiteren Ausbau von Breitband-Internet gestern vom Verband der Internet-Service-Provider Österreichs [ISPA] generell unterstützt wurde, haben auch die aktivsten Entbündler unter den heimischen Providern gegenüber der futureZone zum Thema Stellung bezogen.
Die UTA und EUnet meinen dabei, dass nicht die Netzbetreiber, sondern die Endkunde gefördert werden sollten, und für Inode ist eine vollständigen Liberalisierung des Telekom-Marktes Voraussetzung für sinnvolle Förderungen.
Österreich ist im dritten Quartal 2002 bei breitbandigen Internet-Zugängen im EU-Vergleich laut aktuellen Studien von Marktforschern vom dritten auf den vierten Rang abgerutscht. Angesichts dieser Entwicklung hatte die TA am Mittwoch staatliche Förderungen für den weiteren ADSL-Ausbau sowie finanzielle Anreize bei Breitbandanschlüssen für Firmen und Private gefordert.
ISPA-Standpunkt
Staatliche Förderungen haben laut der ISPA nur dann Sinn, wenn
seitens der Regierung endlich klare Verhältnisse geschaffen würden.
Das bedeute eine klare organisatorische und gesellschaftsrechtliche
Trennung der Telekom Austria in einen Infrastrukturbetreiber, bei
dem die staatlichen Anteile und öffentliche Förderungen liegen, und
einen Dienstebetreiber, der zu gleichen Konditionen im Wettbewerb
mit den anderen steht.
ISPA fordert staatliche ADSL-Förderung
TA will staatliche Förderung für BreitbandEndkunden fördern
Den Vorstoß der Telekom, für den weiteren Ausbau der ADSL-Netze in Österreich eine Förderung einzufordern, hält man beim Konkurrenten UTA prinzipiell für "vernünftig".
Gefördert werden sollten allerdings nicht die Netzbetreiber, sagte Martin Halama, Unternehmenssprecher, zur futureZone, sondern der Endkunde und was man im Telekom-Jargon als "SoHos" [Small Office, Home Office] und KMUs - kleine und mittlere Unternehmen - kennt.
Diese etwa durch Steuererleichterungen für Breitbanddienste zu fördern, würde den Standort Österreich insgesamt aufwerten, so Halama weiter, und entspreche auch den Forderungen des EU-Projekts "eEurope 2000".
Auf die Frage nach Durchsetzbarkeit der Forderungen meint Halama: "Da hängt viel von der neuen Regierung ab." Falls die sich nämlich die Förderung einer innovativen Technologie wie Breitband-Internet auf die Fahnen schreiben würde, könne das auch passieren.
Auch die Einsetzung eines eigenen Ministers für Telekom/Netz-Angelegenheiten, wie bereits vom Verband alternativer Telefoniebetreiber gefordert, wäre sehr hilfreich.
Alternative fordern Telekom-MinisterNette Weihnachtsmeldung
Der Wunsch der TA sei "löblich, aber nichts Neues", kommentiert unterdessen Christian Klauss für den Wiener Provider Inode: "Eine nette Weihnachtsmeldung, um als Gaben bringender Internet-Santa-Claus" dazustehen.
Denn eine Förderung sei nur dann sinnvoll, wenn das zu den gleichen Konditionen für alle Provider gelte und geschehe. Dadurch sei ein gerechter Wettbewerb garantiert, und letztlich solle von den Konsumenten das beste Produkt gewählt werden.
Laut Klauss "setzt sich die TA hierbei offensichtlich, wie schon oftmals in der Vergangenheit, nur für ihre eigenen Belange ein". Förderungen seien sehr wichtig, "aber dazu bedarf es einer vollständigen Liberalisierung des Telekom-Marktes".
"Was nützen Förderungen, wenn man durch Barrieren der seit über 100 Jahren gewachsenen Bürokratie das Ziel verfehlt?" heißt es weiter.
Wählämter schneller öffnen
Einzig mögliche Variante für Inode ist demnach, "den Providern, die am Entbündeln sind, die Wählämter leichter und schneller zu öffnen und durch Förderungen der einzelnen Gemeinden, Ländern und Bund einen Breitband-Internet-Standard in Österreich zu schaffen, der diesem Potenzial von derzeit 1,8 Millionen gerecht wird". Österreich könne damit eine wichtigere Rolle am Technologiesektor in der EU spielen, somit attraktiver für ausländische Firmen werden und über Zweigstellen, Standorte oder sogar Zentralen, die nach Österreich kommen, die Wirtschaft dieses Landes ankurbeln und somit die Fördergelder mehr als nur rechtfertigen.
Auch EUnet will Endkunden-Förderung
Auch der Provider EUnet würde die Initiative einer staatlichen Förderung für Breitband-Internet sehr begrüßen, um die Verbreitung innovativer und effizienter Telekommunikationslösungen österreichweit voranzutreiben.
Ferdinand Leitner, Vorstandsvorsitzender, und Georg Chytil, Technikvorstand von EUnet, schränken jedoch ein, dass nur eine direkte Förderung der Endanwender, wie der vielen klein- und mittelständischen Betriebe in Österreich, das Wachstum der Breitband-Anschlüsse bei heimischen Wirtschaftsbetrieben beschleunigen könne.
Das würde - unabhängig vom Netzbetreiber - wesentlich zu einer raschen Penetration von Breitband-Internet beitragen.
