AOL mit Content- und Werbeoffensive
Der erst vor zwei Wochen ernannte neue Chef von America Online [AOL], Jonathan Miller, will offensichtlich mit breit angelegten Aktionen das schwächelnde Online-Geschäft wieder in Schwung bringen, das derzeit den Schwachpunkt im Medienkozern AOL Time Warner darstellt.
AOL will vor allem einen neuen Anlauf zur Vermarktung eigenen Contents und den Aufbau einer E-Commerce-Sparte wagen, um die Einnahmen zu steigern. Dazu soll von den meisten Nutzern als Belästigung empfundene aber lukrative "Rich Media"-Werbung das Geschäft ankurbeln.
Ein ähnliches Content-Projekt des Unternehmens ist allerdings schon einmal gescheitert und vor fünf Jahren eingestellt worden. In der heutigen Situation versprechen sich die Verantwortlichen jedoch deutlich bessere Möglichkeiten, Gewinne zu erwirtschaften.
Im letzten Quartal florierte bei AOL Time Warner besonders das Filmgeschäft und auch die Fernsehkabelnetz-Sparte. Die vergleichsweise schwachen Erträge der AOL-Sparte belasteten dagegen das Ergebnis des Medienkonzerns. Der Online-Geschäftsbereich kämpft seit längerem mit sinkenden Werbeeinnahmen und schwächerem Wachstum des Kundenstamms.
AOL Time Warner mit Gewinn, Online-Geschäft schwächeltSynergien im Konzern
Angebote wie Chats mit Stars, die bei Time Warner unter Vertrag stehen, Movie-Trailer aus laufenden Produktionen und Videos mit Reisetips sollen auf AOLs "Portal" gegen Bezahlung angeboten werden.
Die Angebote sollen gleichzeitig dazu dienen, mehr Kunden für die US-Breitband-Zugänge des Unternehmens zu gewinnen.
Außerdem könnte sich das Merchandising von Film-, Musik- und Sport-Stars, die bei einer der zahlreichen Tochterfirmen unter Vertrag sind, als gewinnträchtiges Geschäft erweisen.
AOLs Site genießt derzeit von allen großen Seiten der US-Internet-Branche angeblich die geringste Anerkennung der Nutzer. Im vierteljährlich veröffentlichten Index der Kundenzufriedenheit [American Customer Satisfaction Index, ACSI] erhielt der Webauftritt des weltgrößten Onlinedienstes 59 von 100 möglichen Punkten. Die Konkurrenten MSN und Yahoo erhielten 72 und 76 Punkte. Der Durchschnitt aller bewerten Seiten liegt mit 68 Zählern immer noch deutlich über dem AOL-"Portal".
AOL-Site bei Nutzern relativ unbeliebtBunt, bewegt und laut
Das schwächelnde Werbegeschäft, das in den letzten Quartalen jeweils zweistellige Umsatzrückgänge verzeichnen musste, will AOL mit dem Angebot von "Rich Media"-Werbung wieder in Schwung bringen.
Bislang hat sich AOL auf diesem Gebiet in Zurückhaltung geübt. Massive Schaltungen von Werbung, die sich im Zweifelsfall über den ganzen Bildschrim bewegt und von Sound begleitet wird, dürfte allerdings bei den Besuchern der Site, die ohnehin ein vergleichsweise schlechtes Image hat, wenig Anklang finden.
"Rich Media"-Schaltungen bringen allerdings 25 bis 30 USD [Für 1.000 Impressions], während klassische Banner auf General-Interest-Sites kaum für mehr als fünf USD zu verkaufen sind.
Online-Werbung wird neu erfunden
