Online-Werbung wird neu erfunden
Angesichts der schrumpfenden Einnahmen in der Online-Werbung ist seit einem halben Jahr eine sprunghaft gestiegene Experimentierfreudigkeit unter den Werbetreibenden zu beobachten.
Fast scheint es, als wollte die Branche im Trial-and-Error-Verfahren die Onlinewerbung neu erfinden:
Fenster, die sich zunächst verstecken und bislang höchstens von Porno-Sites verwendet wurden, erleben einen Boom, Elemente, die sich über ganze Seiten bewegen, werden ausprobiert und die Banner-Formate werden immer größer und vielfältiger.
In diesem Jahr wird mit rückläufigen Werbeeinnahmen gerechnet, dazu kommt eine zunehmende Konzentration der bezahlten Werbung auf wenigen Sites: Mehr als die Hälfte der gesamten Online-Werbeausgaben der USA entfallen nach Schätzungen der Investmentbank Merrill Lynch auf AOL Time Warner und Yahoo, wobei AOL einen außergewöhnlich hohen Anteil von über 45 Prozent für sich verbuchen kann.
Online-Werbekuchen für AOL und YahooErfolgreiches Versteckspiel
Als erfolgversprechender Trend gelten derzeit "Pop-downs", also Werbefenster, die sich unter dem aktiven Fenster öffnen.
Nachdem dieses Format jahrelang Porno-Sites vorbehalten war, greifen jetzt auch seriöse Sites darauf zurück, als bekanntestes Beispiel gilt die "New York Times".
Offensichtlich erfahren die Pop-downs von vielen Nutzern eine erstaunlich hohe Aufmerksamkeit, da sie oft erst relativ spät und überraschend beim Schließen des Browser-Fensters entdeckt werden und so offensichtlich neugierig machen.
Diesen Schluss läßt jedenfalls der Erfolg der bisher völlig unbekannten Site "X10.com" zu: Der Webcam-Verkäufer schaffte es mit Pop-Downs in die US-Top-Ten von Jupiter Media Metrix der meistbesuchten Sites.
New York TimesEtwas bewegen
In einem besonderen Experimentierstadium befinden sich derzeit auch Elemente, die sich über die ganze Seite bewegen.
Nicht nur auf der FutureZone war diese Werbeform unlängst zu finden, auch auf der Yahoo-Hauptseite und dem Business-Teil der "New York Times" bewegte sich etwas.
Bei Yahoo flogen schwarze Kühe, die anschließend einen "Ford-Explorer" erscheinen ließen, Oracle ließ unterdessen auf der NYT-Site für seine neue Datenbanksoftware umständlich eine Rakete landen.
Beobachter wie das Internet Advertising Bureau [IAB] begrüßen diese Experimente grundsätzlich, wenn auch nicht immer im Detail: IAB-Chef Robin Webster wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ohne Trial-and-Error kein Fortschritt erzielt würde und Fehlschläge ein natürlicher Bestandteil dieses Prozess seien.
Yahoo hat im April eine neue Site mit Multimedia-Inhalten vorgestellt, die noch einen Schritt weiter gehen soll: Die "erste Adresse für Online-Unterhaltung" soll Fernsehspots an Stelle von einfacher Banner-Werbung bringen.
Werbespots statt statischer BannerKlassische Periode vorbei
Der klassische Banner [468 mal 60 Pixel] findet sich unterdessen immer seltener, dafür nimmt die Format-Vielfalt derzeit rasant zu.
Nach Erfolgen mit großflächigen Anzeigen auf "CNet" [360 mal 300 Pixel], die recht auffällig im oberen Textabschnitt platziert sind, hat das Internet Advertising Bureau im Februar sieben neue Formate vorschlagen, von denen sechs wesentlich größer als die bisher dominierenden Banner sind.
Werbebanner werden deutlich größer
