Jobkiller und regulierte Wirtschaft
Die "Skandal AG", wie "CNN" die US-Wirtschaft nach den Bilanzfälschungsskandalen unter anderem bei WorldCom und Xerox nannte, lösen einerseits eine immer schrillere Debatte um harte Sanktionen und mehr staatliche Einmischung in die Wirtschaft aus, andererseits kündigt sich speziell im Telekom-Sektor ein neuer US-Entlassungsrekord an.
Im ersten Halbjahr 2002 seien bereits 165.840 Arbeitsplätze bei Telekommunikationsfirmen gestrichen worden, berichtete die US-Arbeitsvermittlungsfirma Challenger.
Dies seien 27 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2001 war mit 317.777 weggefallenen Jobs ein bisheriger Negativ-Rekord erreicht worden.
Insgesamt wurden Challenger zufolge in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in der US-Wirtschaft 735.527 Stellen gekappt. Damit kam fast jeder vierte Betroffene aus dem Telekom-Sektor. WorldCom hat erst Ende Juni damit begonnen, 17.000 Mitarbeiter abzubauen. Das sind mehr als 20 Prozent der Gesamtbelegschaft.
WorldCom schließt Insolvenz nicht ausRegulierung in Sicht
"Skandal AG" betitelte die CNN-Sendung "Money Line" die nicht enden wollenden Negativ-Nachrichten von neuen Bilanzfälschungen in US-Konzernen.
Wenn US-Präsident George W. Bush am Dienstag an der Wall Street nach härteren Strafen für Wirtschaftskriminalität rufen wird, versucht der Politiker mit Management-Ausbildung einen "radikalen Schwenk":
Statt wie bisher auf Selbstregulierung der Märkte setzt er nun auf hartes Vorgehen, um das Vertrauen in "Corporate America" wiederherzustellen.
Bush will aber nicht nur der Wirtschaft auf die Beine helfen, sondern auch lästige Fragen zum "Fall Harken" abwehren, in dem er selber unter Verdacht des Insider-Handels steht. Der Präsident versucht schließlich auch den Chef der Börsenaufsicht SEC, Harvey Pitt, zu halten, dessen Rücktritt Demokraten und Republikaner wegen zu großer Unternehmensnähe fordern.
Bush will Wirtschafts-Machtwort sprechenCEOs sollen hinter Gitter
Bislang hatten die Bilanzskandale für keinen einzigen der Verantwortlichen ein juristisches Nachspiel.
Der demokratische Senator Tom Daschle fordert nun die Absetzung von SEC-Chef Pitt, und die Demokraten haben einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der bei willentlicher Schädigung der Aktionäre durch das Management bis zu zehn Jahre Gefängnis vorsieht.
Doch so einfach liegt die Sache für die Opposition nicht, wie das überraschende Ergebnis einer am Montag veröffentlichten Gallup-Umfrage zeigt. 51 Prozent der Amerikaner machen nicht Bush, sondern dessen Vorgänger Bill Clinton für die Skandalserie verantwortlich: Der Demokrat Clinton habe durch sein schlechtes moralisches Vorbild die "Gier" in den Manageretagen ermutigt.
CEOs sollen hinter Gitter
