09.07.2002

"SKANDAL AG"

Bildquelle: orf on

Jobkiller und regulierte Wirtschaft

Die "Skandal AG", wie "CNN" die US-Wirtschaft nach den Bilanzfälschungsskandalen unter anderem bei WorldCom und Xerox nannte, lösen einerseits eine immer schrillere Debatte um harte Sanktionen und mehr staatliche Einmischung in die Wirtschaft aus, andererseits kündigt sich speziell im Telekom-Sektor ein neuer US-Entlassungsrekord an.

Im ersten Halbjahr 2002 seien bereits 165.840 Arbeitsplätze bei Telekommunikationsfirmen gestrichen worden, berichtete die US-Arbeitsvermittlungsfirma Challenger.

Dies seien 27 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2001 war mit 317.777 weggefallenen Jobs ein bisheriger Negativ-Rekord erreicht worden.

Regulierung in Sicht

"Skandal AG" betitelte die CNN-Sendung "Money Line" die nicht enden wollenden Negativ-Nachrichten von neuen Bilanzfälschungen in US-Konzernen.

Wenn US-Präsident George W. Bush am Dienstag an der Wall Street nach härteren Strafen für Wirtschaftskriminalität rufen wird, versucht der Politiker mit Management-Ausbildung einen "radikalen Schwenk":

Statt wie bisher auf Selbstregulierung der Märkte setzt er nun auf hartes Vorgehen, um das Vertrauen in "Corporate America" wiederherzustellen.

CEOs sollen hinter Gitter

Bislang hatten die Bilanzskandale für keinen einzigen der Verantwortlichen ein juristisches Nachspiel.

Der demokratische Senator Tom Daschle fordert nun die Absetzung von SEC-Chef Pitt, und die Demokraten haben einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der bei willentlicher Schädigung der Aktionäre durch das Management bis zu zehn Jahre Gefängnis vorsieht.