CEOs sollen hinter Gitter
In den USA wollen sowohl Präsident Bush als auch Demokraten mit harten Bandagen gegen Bilanzfälschungen vorgehen.
Nun überlegt man sogar, ein Strafgesetz zu erlassen, nach welchem die CEOs [Chief Executive Officers] ins Gefängnis kommen könnten, wenn in ihrer Firma Bilanzen gefälscht wurden.
Aktueller Hintergrund
Bilanzskandale bei WorldCom, Xerox und dem Energiehändler Enron
hatten Investoren zuletzt tief verunsichert. WorldCom hatte Ende
Juni Fehlbuchungen in Milliardenhöhe eingeräumt und damit an den
Aktienmärkten weltweit einen Kurssturz ausgelöst. Bei Enron hatten
Bilanzunregelmäßigkeiten Ende vergangenen Jahres zum Zusammenbruch
des Unternehmens geführt.
Bilanz-Fälschung löst Börsen-"Panik" ausWirtschaft für Maßnahmen, gegen Gefängnis
In Wirtschaftskreisen ist man sich dessen bewusst, dass dringend Maßnahmen ergriffen werden müssen, allein schon um das Vertrauer der Anleger wieder herzustellen.
Doch zweifeln Experten die Sinnhaftigkeit eines zu harten Strafgesetzes an. Dieses würde zwar einige CEOs aus dem Verkehr ziehen, jedoch keine langfristige Lösung darstellen.
Vielmehr müssten grundlegende Probleme im Bereich der Buchprüfungen und der Unabhängigkeit der Verantwortlichen in den Unternehmen angegangen werden.
Grundsatzrede erwartet
US-Präsident George W. Bush plant nach Regierungsangaben, am
Dienstag eine Grundsatzrede zu den Bilanzskandalen zu halten.
Bush will Wirtschafts-Machtwort sprechenWorldCom-Anhörung vor Kongress
In der Anhörung zum 3,9 Milliarden USD schweren WorldCom-Skandal haben sich die ehemals führenden WorldCom-Köpfe vor einem Ausschuss des Kongresses [US-Unterhaus], wie erwartet, auf den fünften Zusatzartikel der Verfassung berufen.
Dieser gewährt das Recht auf Verweigerung der Aussage, wenn man sich dadurch selbst belasten würde.
Ex-WorldCom-Chef Bernard Ebbers erklärte nur kurz: "Niemand wird zu dem Schluss kommen, dass ich etwas Kriminelles oder Betrügerisches getan habe. Ich habe nichts zu verbergen."
Vorgeladen wurde auch ein Analyst von Salomon Smith Barney, dem außergewöhnlich enge Beziehungen zu WorldCom nachgesagt werden.
Weitere Fälle erwartet
Anleger aller Branchen zittern derweil vor weiteren Fällen von
Bilanzfälschungen. Dass die Angst durchaus begründet ist, zeigt der
aktuelle Fall des Pharma-Konzerns Merck. Wie das "Wall Street
Journal" heute berichtet, hat Merck in den vergangenen drei Jahren
Umsätze seiner Tochter Medco in Höhe von insgesamt rund 12,4 Mrd.
USD verbucht, ohne dass Medco die Gelder tatsächlich eingenommen
hat.
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