WorldCom schließt Insolvenz nicht aus
Der angeschlagenen US-Telekomkonzern WorldCom will eine Insolvenz unbedingt vermeiden, kann eine Form der Zahlungsunfähigkeit aber nicht ausschließen.
Unternehmenschef John Sidgmore erklärte, zur Zeit liefen Verhandlungen mit zwei Banken über eine Lösung der Kreditfrage.
WorldCom mit Milliarden-Falschbuchungen
WorldCom hatte Falschbuchungen über 3,8 Milliarden USD zugegeben
und weitere Unregelmäßigkeiten angedeutet. Jetzt sollen dem
Unternehmenschef zufolge sämtliche Regelverstöße der Vergangenheit
überprüft werden. "Wir werden alles veröffentlichen, was wir wissen,
sobald wir es wissen", sagte Sidgmore. "Wir werden Verstöße in der
Vergangenheit voll untersuchen."
Rekordverdächtiger BuchführungsbetrugMehrere Milliarden USD Schulden
WorldCom verfüge über rund 2 Milliarden USD [2,03 Milliarden Euro] Kapital auf Bankkonten, sagte Sidgmore. Gleichzeitig schuldet das Unternehmen den Banken mehrere Milliarden und ist in Zahlungsverzug geraten.
Das Management sei zuversichtlich, bereits Ende dieser Woche einen Vorschlag präsentieren zu können. Unter anderem werde der Verkauf von Unternehmensteilen und Immobilen erwogen.
Die Kreditgeber hätten bislang keine beschleunigte Schuldenrückzahlung gefordert. Auch hätten Großkunden bislang keine Dienste gekündigt.
Erstes Angebot
Das US-Telekomunternehmen IDT hat ein Angebot von drei bis vier
Milliarden USD [4,05 Milliarden Euro] für die MFS
Communications-Sparte von WorldCom eingereicht. Das wären jedoch
rund zehn Milliarden USD weniger als WorldCom vor sechs Jahren für
MFS Communications hingeblättert hatte.
Vier Milliarden USD für WorldCom-SparteKlage der US-Börsenaufsichtsbehörde
Sidgmore hatte vor rund zwei Monaten die Leitung des Konzerns von Bernard Ebbers übernommen. Finanzchef Scott Sullivan wurde entlassen, nachdem der Buchführungsskandal bekannt geworden war.
Die US-Börsenaufsichtsbehörde hat WorldCom wegen Verstoßes gegen die Börsengesetze verklagt. Sie will einen Aufseher einsetzen, der sicherstellen soll, dass keine Dokumente zerstört oder verändert werden und Spitzenmanager keine Abstands- und Bonuszahlungen erhalten.
