12.01.2001

WAS NUN

Bildquelle: companies

Rekordfusion hinterlässt Ratlosigkeit

Die weltgrößte Fusion zwischen dem weltgrößten Online-Dienst AOL und dem weltgrößten Medienkonzern Time Warner ist beschlossen und genehmigt.

Aber die Konsequenzen für die globale Medienlandschaft und die Details des Zusammenwachsens der beiden Unternehmen werfen nach wie vor viele Fragen auf - die auch vom Chor der Kommentatoren und Branchenexperten nicht beantwortet werden können.

Nach Bekanntgabe des Deals vor rund einem Jahr wurde von Journalistenverbändenn und Verbraucherschützern vor der Gefahr einer übermächtigen Medienkontrolle durch einen Konzern gewarnt.

Bei der Frage, wie die extrem unterschiedlichen Unternehmenskulturen und -strukturen zusammenwachsen sollen, wurde vor allem auf das unterschiedliche Tempo der Unternehmens- und Produktentwicklung hingewiesen, das durch den AOL-Kursverfall seit Bekanntgabe des Mergers vor einem Jahr deutlich illustriert wurde.

Size does matter

Vor einem Jahr kommentierte die Pariser Tageszeitung "Liberation": "Die Hochzeit zwischen dem allgegenwärtigen Medienkonzern Time Warner und AOL ist ein Qualitätssprung."

"Die klassischen Fusionsgewinne sind dabei unwesentlich. Diese Verbindung zeichnet die gesamte technische und intellektuelle Entwicklung der westlichen Gesellschaften von Gutenberg bis Bill Gates nach."

Nach einem Jahr der Dot.com-Krise, in dem viele Online-Geschäftsmodelle floppten, scheint allerdings der "klassische" Fusionsgewinn - die schiere Größe des Unternehmens -wieder ein sehr wichtiger Faktor zu werden.

Branchenexperten sind nämlich einhellig der Meinung, dass die derzeitige Krise von großen Unternehmen besser bewältigt werden kann als von den kleinen. Dabei wird trotzdem generell von Entlassungen bei AOL ausgegangen.

Die "neue Qualität" der Fusion bleibt dagegen auch nach einem Jahr noch sehr konturlos. Insbesondere die konvergenten "Killeranwendungen", die von dem neuen Konzern erwartet werden, sind alles andere als ausformuliert [Web-TV, etc.].

Zahnlose Auflagen

Verbrauchergruppen waren von Begin an auf Grund der geballten Macht gegen den Zusammenschluss.

Die Fusion hebe die Trennung von Netzbetreibern und den Herstellern der Inhalte auf und "bedroht so Demokratie, Meinungsvielfalt und Qualität in den Medien", erklärte der Internationale Journalistenverband [IFJ] vor einem Jahr.

Die Auflagen der Wettbewerbshüter entschärfen diese Befürchtungen nicht unbedingt. Branchen-Insider sehen lediglich in den Auflagen, die Warners Kabelnetz betreffen, eine ernsthafte Handlungseinschränkung - allerdings werden die Kabelnetze immer wieder als Haupt-Fusionsargument genannt.

Die Einschränkungen, die AOLs Instant Messenger betreffen, dürften dagegen wenig bis keine Konsequenzen auf AOLs Marktpostion haben.

Konsequenz unklar

Zusammenfassend lässt sich derzeit nicht ausmachen, wohin die Rekordfusion führen wird.

Das dürfte vor allem daran liegen, dass der Zusammenschluss kein Vorbild hat. Und selbst Fusionen in "übersichtlichen" Branchen wie die zwischen Daimler und Chrysler sind offensichtlich keine Erfolgsgarantie.