Zeichen für Trendwende an den Tech-Börsen
Die Technologiebörsen haben gestern erstmals seit fast einem Jahr auf eine potenzielle Hiobsbotschaft nicht mit einer hektischen Abwärtsbewegung reagiert, was zu vorsichtigem Optimismus Anlass bietet:
Der Verlauf des gestrigen Handelstages deutet darauf hin, dass die Kurse tatsächlich den lang ersehnten "Boden" erreicht haben, die schlechten Nachrichten waren demnach in den Kursen schon inbegriffen.
Die New Yorker Technologiewerte haben gestern trotz einer Gewinnwarnung von Cisco durchschnittlich Kursgewinne verzeichnet. Die Marktstimmung habe durch die Gewinnwarnung zwar einen Dämpfer, jedoch keinen Schock erlitten, sagten Händler. Der Nasdaq-Composite-Index notierte bei Handelsschluss 0,71 Prozent fester bei 1.923,16 Zählern.
Sogar Cisco-Aktien gingen mit einem moderaten Minus von 3,2 Prozent bei 16,65 USD aus dem Handel.
Cisco hatte am Montag nach Börsenschluss mitgeteilt, unter anderem wegen der sich abkühlenden US-Konjunktur würden die Gewinnprognosen der Analysten für das dritte Geschäftsquartal wohl deutlich verfehlt. Der Umsatz werde voraussichtlich um fast ein Drittel sinken. Zudem muss Cisco nach eigenen Angaben Milliardenbeträge für die bereits angekündigten Stellenstreichungen und für den Abbau von Lagerbeständen aufwenden.
Cisco mit Gewinn- und UmsatzwarnungSchlechte Botschaft schon im Kurs
Dass es angesichts der Gewinnwarnung nicht zu einem größeren Schock im High-Tech-Sektor kam, begründeten Händler damit, dass die schwachen Cisco-Zahlen vom Markt bereits erwartet worden seien.
"Der Technologiesektor hat aus seinem Tief zu Beginn der Sitzung herausgefunden, was zeigt, dass Nachfrage nach Aktien besteht", sagte Charles Payne von Wall Street Strategies.
Unterstützung habe der Markt zudem von der unerwartet angestiegenen US-Industrieproduktion sowie von moderat ausgefallenen US-Konsumentenpreise erhalten, hieß es.
Der rasante Kurssturz an den Technologiebörsen dauert inzwischen rund ein Jahr an.
Jubiläumsmassaker an der NasdaqGute, schlechte Nachrichten
Eine weitere Konsolidierung könnten die Börsen durch Intels Quartalszahlen erfahren, die gestern nach Börsenschluss bekannt gegeben wurden. Die Börsen in London und Frankfurt begannen ihren Handel jedenfalls mit deutlichen Kurssprüngen.
Intel hat im letzten Quartal im Vergleich zum Vorjahr 80 Prozent weniger Gewinn erwirtschaftet. Das Unternehmen erzielte demnach einen operativen Quartalsgewinn von 485 Millionen USD nach 2,7 Milliarden im Vorjahr.
Diese Zahlen lagen allerdings höher als die nach unten korrigierten Erwartungen der Analysten, was die Intel-Aktien im nachbörslichen US-Handel um zwölf Prozent steigen ließ.
Ungewisse Zukunft
Nachdem Intel am Montag wie erwartet die Preise für seine
Prozessorpalette inklusive der aktuellen Spitzenmodelle gesenkt hat
und weitere Preissenkungen gegen Monatsende erwartet werden, können
sich die Konsumenten zwar freuen. Anleger und Analysten sehen in der
Entwicklung allerdings den Beginn eines verschärften und ruinösen
Preiskampfs zwischen Intel und AMD.
Ruinöses Prozessor-Dumping befürchtet
