31.10.2005

EU-VORREITER

Deutschland startet mit Biometrie im Pass

Nach Ansicht des vormaligen Innenministers Otto Schily soll der neue Pass [ePass] mehr Fälschungssicherheit bringen.

Doch Datenschützer wie der deutsche Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, halten dies nicht für belegt. Der Chaos Computer Club [CCC] befürchtet zudem ein Debakel bei Passkontrollen an Flughäfen, wenn in einigen Jahren die im Pass gespeicherten Fotos per Kamera mit den Gesichtern der Passinhaber abgeglichen werden könnten.

Der neue Biometriepass enthält einen kleinen Speicherchip, der über Funk ausgelesen werden kann. Auf dem Chip werden die Daten des Passinhabers sowie ein digitalisiertes Foto gespeichert. Ab März 2007 sollen die Daten von zwei Fingerabdrücken erfasst werden, die Speicherung weiterer Merkmale ist EU-weit möglich.

Zweifel an der Datensicherheit

Datenschützer melden Zweifel an dem durch Schily beschwörten Sicherheitsgewinn durch den ePass an: Alle Ergebnisse der von Schily veranlassten Tests zur System- und Überwindungssicherheit des Chips würden geheim gehalten. Zudem gehörten deutsche Reisepässe bereits jetzt zu den sichersten überhaupt.

Bürgerrechtler kritisieren überdies, dass die elektronischen Pässe das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung verletzten.

Keine Kontrolle der Daten

Zwar dürften die biometrischen Daten in Deutschland von keiner Behörde zentral in Datenbanken gespeichert werden. Doch das sei an ausländischen Grenzen durchaus möglich, ohne dass der Passinhaber diese neue Form der Überwachung bemerken könne, so Schaar.

Technik noch nicht ausgereift

Schily wies Schaars Kritik zwar zurück, dafür gebe es keine Rechtsgrundlage in Europa. Ausländischen Staaten könne die Speicherung der biometrischen Daten der Landesbesucher allerdings auch nicht verboten werden, räumte er ein.

Der CCC verwies zudem auf die Biometrie-Studie "Bio-P II" des deutschen Amts für Sicherheit in der Informationstechnik [BSI], wonach Lesegeräte für die Pässe noch nicht praxistauglich seien.

Bei Tests von verschiedenen Techniken seien in etlichen Fällen Personen anhand von Scans des Gesichts oder der Fingerabdrücke nicht erkannt worden, so der CCC.

Laut Schily wurde Schaar der als intern deklarierte Teil der Bio-P II-Studie über die Methoden und Erfolgstauglichkeit der Überwindung biometrischer Kontrollsysteme zugänglich gemacht.