Yahoo-Chef Yang unter Druck

05.05.2008

Nach dem Rückzug Microsofts aus dem Übernahmepoker um Yahoo wächst die Kritik der Aktionäre an Yahoo-Chef Jerry Yang. Aber auch Microsoft-Chef Steve Ballmer steht nun unter Zugzwang.

"Es gibt Frustrationen", sagte der Fondsmanager Darren Chervitz: "Ich glaube nicht, dass Yahoo im Interesse seiner Aktionäre gehandelt hat." Die Yahoo-Spitze hatte am Wochende eine neuerliche Aufbesserung des Übernahmeangebots von Microsoft auf 47,5 Milliarden Dollar [30,73 Mrd. Euro] als zu niedrig abgelehnt.

Microsoft ließ daraufhin die Übernahme platzen. Yang muss nun die Yahoo-Anteilseigner überzeugen, dass die Entscheidung der Yahoo-Spitze, Microsoft einen Korb zu geben, richtig war.

Sollte Yang der Yahoo-Aktie nicht bald auf die Sprünge helfen, gehen Marktbeobachter davon aus, dass der Yahoo-Gründer von der Unternehmensspitze weichen muss. Yang könnte auch gezwungen sein, demnächst ein niedrigeres Angebot von Microsoft zu akzeptieren, mutmaßten Marktbeobachter am Sonntag.

Microsoft war zuletzt bereit, 33 Dollar pro Yahoo-Aktie zu bezahlen. Die Yahoo-Spitze wollte jedoch 37 Dollar je Aktie. So hoch notierte das Papier zuletzt im Jänner 2006. Eine feindliche Übernahme erschien Microsoft letztlich doch zu riskant.

Kursrutsch bei Aktien

Am Montag ist die Stimmung der Yahoo-Aktionäre jedenfalls nicht gestiegen. Die Aktien erlebten einen veritablen Kursrutsch und brachen zum US-Handelsstart um mehr als 20 Prozent ein.

Auch die Papiere des chinesischen Internet-Unternehmens Alibaba, an dessen Mutter Alibaba Group Yahoo mit 39 Prozent beteiligt ist, verloren am Montag zeitweise mehr als 5,5 Prozent.

Die Papiere von Microsoft und Google legten hingegen zu.

Suche nach Alternativen

Um das Vertrauen der Aktionäre wiederzugewinnen, muss Unternehmensgründer Yang, der vor einem Jahr den glücklosen Vorstandschef Terry Semmel ablöste und ins operative Geschäft zurückkehrte, weiter an der Restrukturierung des Unternehmens arbeiten und auch nach strategischen Partnerschaften Ausschau halten.

Analysten zeigten sich jedoch am Sonntag skeptisch. Auch die kränkelnde US-Wirtschaft könnte dazu beitragen, dass die Yahoo-Aktionäre schon bald gegen die Unternehmensspitze rebellieren werden.

Partnerschaft mit Google

Marktbeobachter erwarten, dass Yahoo eine längerfristige Partnerschaft mit Google beim Verkauf von Suchanzeigen eingehen werde. Ein Test für ein solches Bündnis verlief sehr zum Ärger des damaligen Brautwerbers Microsoft zuletzt vielversprechend.

Kritiker der Werbekooperation monieren jedoch, dass Yahoo zwar kurzfristig von der Partnerschaft profitieren könnte, langfristig jedoch Gestaltungsmöglichkeiten aus der Hand gebe. Darüber hinaus könnten die Wettbewerbsbehörden dem Deal Steine in den Weg legen, da Google und Yahoo zusammen mehr als 80 Prozent des US-Suchanzeigenmarktes kontrollieren.

Gespräche mit News Corp verlieren an Schwung

Gespräche zwischen Yahoo und Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp über eine Alternative zu einer Übernahme durch Microsoft haben in den vergangenen Wochen nach Angaben unternehmensnaher Kreise an Schwung verloren. Das schwindende Interesse von News Corp würde die Optionen für Yahoo bei der Partnersuche auf AOL begrenzen, die Internet-Sparte des Medienkonzerns Time Warner.

Auch Ballmer unter Zugzwang

Eine Partnerschaft mit AOL könnte jedoch auch für Microsoft eine verlockende Option sein. Nach der geplatzten Übernahme muss Ballmer nun beweisen, dass die Dominanz Googles auf dem lukrativen Online-Anzeigenmarkt auch ohne Yahoo gebrochen werden kann.

Marktbeobachter gehen davon aus, dass Microsoft nun Partnerschaften mit anderen Internet-Unternehmen prüfen werde. Neben Time Warners AOL kommt dabei auch Murdochs News Corp in Betracht. An Facebook, der zweitgrößten Social-Networking-Site nach MySpace, hält der Software-Riese bereits 1,6 Prozent.

(futurezone | AP | Reuters)