Microsoft gibt Yahoo-Übernahme auf
Microsoft hat sein milliardenschweres Übernahmeangebot für Yahoo zurückgezogen. Konzernchef Steve Ballmer zeigte sich in einem Brief an die Yahoo-Spitze "enttäuscht". Yahoo sucht weiter nach strategischen Alternativen. Analysten rechnen nun mit einem Wertverlust der Yahoo-Aktien von 30 Prozent.
Ballmer teilte Yahoo-Chef Jerry Yang die Rücknahme des Kaufangebots am Samstagnachmittag in einem Brief mit. Microsoft sei bereit gewesen, das ursprüngliche Angebot von 31 Dollar je Aktie - insgesamt etwa 42 Milliarden Dollar [27,2 Mrd. Euro] - um fünf Milliarden Dollar auf 33 Dollar je Aktie zu erhöhen, hieß es in einer Aussendung des Konzerns. Yahoo habe jedoch 37 Dollar je Aktie verlangt.
"Das Geschäft kommt nicht zustande"
Yahoo habe sich trotz eines zuletzt nochmals erhöhten Angebots nicht bewegt. "Ganz klar: Das Geschäft kommt nicht zustande", schrieb Ballmer. "Nach eingehender Überlegung glauben wir, dass die von Yahoo verlangten wirtschaftlichen Umstände für uns keinen Sinn ergeben", hieß es im Brief. "Und wir glauben daher, dass es im Interesse der Microsoft-Aktionäre, Mitarbeiter und der anderen Beteiligten ist, unser Angebot zurückzuziehen."
Er sei "enttäuscht", schrieb Ballmer. Laut US-Medienberichten hatten sich die Spitzen beider Seiten kurz zuvor noch einmal vergeblich zu einem letzten Einigungsversuch getroffen. Microsoft hatte bereits zuvor mehrfach mit einem Rückzug gedroht.
Feindliche Übernahme zu riskant
Eine feindliche Übernahme von Yahoo will Ballmer auch mit Blick auf den Erzrivalen Google nicht wagen. Yang habe deutlich gemacht, dass Yahoo dann Schritte unternehmen werde, die den Konzern für Microsoft nicht länger attraktiv machten.
Mit dem Yahoo-Kauf wollte Microsoft die Dominanz des Rivalen Google bei Online-Suche und Internet-Werbung brechen. Google wird dieses Jahr nach Schätzung der Marktforscher von eMarketer mehr als 30 Prozent der Umsätze in diesem Geschäft kassieren, Yahoo 14 Prozent und Microsoft knapp sieben Prozent. Internet-Werbung wird für Microsoft immer wichtiger, da kostenlose werbefinanzierte Internet-Software den Programmen des Konzerns aus Redmond zunehmend Konkurrenz macht.
"Störende Ablenkung vorbei"
Yahoo bekräftigte unterdessen erneut, dass das Microsoft-Angebot das Unternehmen zu niedrig bewertet habe. Die störende Ablenkung durch das unerwünschte Übernahmeangebot sei nun vorbei, sagte Yang laut einer in der Nacht auf Sonntag veröffentlichten Mitteilung. Nun könne sich sein Unternehmen wieder mit ganzer Kraft auf die Zukunft konzentrieren.
Strategische Alternativen
Yahoo will sich Kreisen zufolge auch nach dem Wegfall von Microsofts Übernahmeversuch auf strategische Alternativen konzentrieren. Zwar sei der Internet-Konzern nicht auf der Suche nach Angeboten, sagte am Samstag eine mit den Vorgängen vertraute Person. Die Unternehmensführung werde jedoch Optionen in Erwägung ziehen, die den Wert des Konzerns für die Aktionäre erhöhten.
Zusammenarbeit mit Google
Zuvor war aus unternehmensnahen Kreisen zu erfahren, dass Yahoo eine Kooperation mit der Time-Warner-Sparte AOL und dem Microsoft-Rivalen Google besprochen hat. Bereits in der kommenden Woche könne eine Zusammenarbeit mit dem Suchmaschinenbetreiber angekündigt werden, hieß es.
Yahoo hatte parallel zu den Gesprächen mit Microsoft eine Allianz mit Google bei Suchanzeigen getestet. Microsoft kritisierte dieses Bündnis nun erneut scharf.
Im Probelauf werden Google-Anzeigen auf drei Prozent der Yahoo-Suchergebnisseiten angezeigt. Eine Auslagerung der Werbeanzeigen rund um die Web-Suche an Google würde Yahoo dringend benötigte Zusatzeinnahmen bescheren. Google ist in der Vermarktung erfolgreicher und bekommt auch mehr Geld je Anzeige.
Wertverlust bei Yahoo-Aktien erwartet
Analysten gehen davon aus, dass Yahoo mit seiner abwehrenden Haltung gegenüber Microsoft überzogen hat, und erwarten, dass der Konzern das mit einem Wertverlust seiner Aktien von 30 Prozent bezahlen wird.
"Wow. Ich bin schockiert, dass Yahoo nicht vernünftiger war", sagte Walter Price von der RCM-Vermögensverwaltung in San Francisco, die sowohl Microsoft- als auch Yahoo-Aktien hält. Es sei zudem überraschend, dass Ballmer keine feindliche Übernahme für 33 Dollar je Aktie versucht habe.
Strategische Gründe
Andere Analysten glauben, dass Microsoft sein Gebot aus strategischen Gründen zurückgezogen haben könnte. Damit verstärke der Software-Konzern den Druck auf Yahoo, ein künftiges Angebot anzunehmen. Einer mit den Verhandlungen vertrauten Person zufolge brachte Microsofts Drohung mit einer feindlichen Übernahme Yahoo bereits dazu, seine ursprüngliche Forderung von 40 Dollar je Aktie auf 37 Dollar je Aktie zu senken.
Der Preis sei jedoch nicht das einzige Hindernis in den Verhandlungen gewesen, sagte die Person. Microsoft habe zudem kartellrechtliche Bedenken Yahoos nicht ausräumen können. Zudem habe Yahoo eine Garantie dafür gefordert, dass das Angebot Microsofts bis zu einer möglichen Übernahme gleich hoch bleibe.
(futurezone | APA | dpa | Reuters)
