Yahoo-Aktie auf Achterbahnfahrt
Am ersten Handelstag nach der gescheiterten Milliardenübernahme durch Microsoft ist das Yahoo-Papier nicht so tief gefallen wie erwartet.
Die Yahoo-Aktie brach am Montag zum US-Handelsstart erst um fast 20 Prozent ein, erholte sich jedoch im Lauf des Handelstages wieder und hatte am Ende rund 14 Prozent verloren. Analysten hatten einen Sturz um 30 Prozent erwartet. mit 24,47 US-Dollar liegt der Kurs des Papiers immer noch gut über dem letzten Stand vor der Microsoft-Offerte, der lediglich 19,18 US-Dollar betragen hatte.
Die Microsoft-Aktie profitierte dagegen von der Absage des Geschäfts, das die bei weitem teuerste Übernahme der Konzerngeschichte gewesen wäre. Der Titel gewann erst 2,5 Prozent auf rund 30 Dollar, am Ende des Tages blieb ein Minus von 0,5 Prozent übrig. Die Google-Aktie stieg um rund zwei Prozent.
Der Windows-Konzern hatte am Wochenende zuletzt 33 Dollar je Yahoo-Aktie geboten. Die Yahoo-Spitze verlangte aber laut Microsoft mindestens 37 Dollar oder insgesamt weit über 50 Milliarden Dollar [32,4 Mrd. Euro].
Daraufhin zog MS-Chef Steve Ballmer sein Angebot offiziell zurück. Mit dem Kauf wollte Microsoft die Dominanz des Rivalen Google bei Online-Suche und Internet-Werbung brechen. Google bleibt nun vorerst bei Suchanzeigen mit weitem Abstand Marktführer vor Yahoo und Microsoft.
Aktionäre verärgert
Das Microsoft-Angebot hätte für Yahoo-Aktionäre einen Gewinn von mehr als 70 Prozent gegenüber dem Kurs vor dem Offert Ende Jänner bedeutet. Großinvestoren äußerten bereits massive Verärgerung über die Yahoo-Führung.
Eine Zustimmung wichtiger Anteilseigner zu einem Kaufpreis von etwa 35 Dollar wäre gut möglich gewesen, deutete der zweitgrößte Yahoo-Anteilseigner, der Vermögensverwalter Legg Mason, in einem Interview mit der "New York Times" an. Sollten die Proteste bis zur in den nächsten Monaten anstehenden Hauptversammlung vehement zunehmen, könnte Yahoo am Ende laut Analysten doch noch zu einem Geschäft mit Microsoft gezwungen werden.
Klagen eingereicht
Bereits vor dem Platzen der Übernahme hatten Aktionäre die Yahoo-Führung wegen ihres Widerstands gegen den Kauf geklagt.
Analysten halten auch die versprochenen künftigen Gewinne für unrealistisch. Yahoo strich zuletzt Stellen. Vor dem Microsoft-Offert war der Yahoo-Kurs binnen eines Jahres bereits um ein Drittel gefallen.
Der erst im vergangenen Sommer in den Chefsessel zurückgekehrte Firmengründer Jerry Yang steht wegen der für die Börse enttäuschenden Ergebnisse unter Beschuss.
(Reuters)
