20.07.2005

SCHMIERGELD

Weitere Turbulenzen in Infineon-Affäre

Schumacher kündigte in einem Brief rechtliche Schritte gegen Infineon-Aufsichtsratschef Max Kley an, wenn dieser weiter den Eindruck erwecke, er, Schumacher, sei in die Schmiergeldaffäre involviert.

Kley hatte sein Verhalten in der Affäre zuletzt verteidigt. Dabei hatte er die Vorwürfe in Zusammenhang mit Schumachers Rücktritt im März 2004 gebracht. Das gesamte Motorsportsponsoring habe Schumacher unterstanden, den zudem eine langjährige Freundschaft mit dem Chef der Beratungsfirma BF Consulting verbunden habe, so Kley.

Dies sei falsch, hieß es in dem zitierten Brief Schumachers an Kley. Schumacher sei weder für das Sponsoring verantwortlich gewesen noch sei er mit Schneider befreundet. Sollte Kley seine Äußerungen aufrechterhalten, sei mit rechtlichen Schritten zu rechnen.

Vorstandchef in der Kritik

Infineons Rechtsabteilung hat sich seit dem Frühjahr 2004 mehrmals mit den Schmiergeldvorwürfen gegen Zitzewitz beschäftigt. Kley sei immer wieder über den Stand der Ermittlungen informiert worden, heißt es in einer Chronologie des Unternehmens.

"Aus keiner dieser Einschätzungen ergaben sich Anhaltspunkte, geschweige denn Belege für ein Fehlverhalten von Herrn Dr. von Zitzewitz."

Im Umfeld des Unternehmens und von Aktionärsschützern wurde kritisiert, dass Kley nach Bekannt werden der Vorwürfe zu wenig unternommen habe.

So habe Infineon trotz einer Eidesstattlichen Versicherung nicht von sich aus die Behörden eingeschaltet. Der Chronologie zufolge wurden die Behörden nicht informiert. Die Staatsanwaltschaft wurde nach eigenen Angaben auf Grund der Presseberichte im vergangenen November aktiv.

Die Chronologie nach Infineon

Das Unternehmen räumt ein, dass Schumacher Ende März 2004 einen Tag vor seinem Rausschmiss Kley über die Vorwürfe gegen Zitzewitz informiert hat.

Dabei habe er auch eine Art Eidesstattliche Versicherung des BF-Consulting-Chefs Ralf-Udo Schneider präsentiert, in der dieser angab, "Kick Back"-Zahlungen an Zitzewitz geleistet zu haben. Auf diesem Weg sollen Zahlungen von Infineon an die Agentur teilweise an Zitzewitz zurückgeflossen sein.

Kley habe Zitzewitz sofort mit den Vorwürfen konfrontiert, heißt es in der Chronologie. Dieser habe aber erklärt, die Behauptungen seien unwahr. Zudem habe Kley noch am selben Tag den Justiziar von Infineon um eine Prüfung der Vorwürfe gegeben. Zusätzlich sei auch noch ein externer Anwalt als Gutachter eingeschaltet worden.

Schneider habe keine Beweise für seine Vorwürfe vorlegen können, die Aufsichtsräte kamen aufgrund mangelnder Beweise und Glaubwürdigkeit Schneiders zu dem Schluss, dass "kein Anlass für eine Abberufung Zitzewitz wegen Pflichtverletzung vorlag".