Weitere Turbulenzen in Infineon-Affäre
Schumacher kündigte in einem Brief rechtliche Schritte gegen Infineon-Aufsichtsratschef Max Kley an, wenn dieser weiter den Eindruck erwecke, er, Schumacher, sei in die Schmiergeldaffäre involviert.
Kley hatte sein Verhalten in der Affäre zuletzt verteidigt. Dabei hatte er die Vorwürfe in Zusammenhang mit Schumachers Rücktritt im März 2004 gebracht. Das gesamte Motorsportsponsoring habe Schumacher unterstanden, den zudem eine langjährige Freundschaft mit dem Chef der Beratungsfirma BF Consulting verbunden habe, so Kley.
Dies sei falsch, hieß es in dem zitierten Brief Schumachers an Kley. Schumacher sei weder für das Sponsoring verantwortlich gewesen noch sei er mit Schneider befreundet. Sollte Kley seine Äußerungen aufrechterhalten, sei mit rechtlichen Schritten zu rechnen.
Schumacher ist von der Staatsanwaltschaft als Zeuge in den Ermittlungen benannt worden. Die schweizerische BF hatte die Motorsport-Aktivitäten von Infineon organisiert und ist auch im Visier der Staatsanwaltschaft.
Infineon-Vorstand Zitzewitz tritt zurückVorstandchef in der Kritik
Infineons Rechtsabteilung hat sich seit dem Frühjahr 2004 mehrmals mit den Schmiergeldvorwürfen gegen Zitzewitz beschäftigt. Kley sei immer wieder über den Stand der Ermittlungen informiert worden, heißt es in einer Chronologie des Unternehmens.
"Aus keiner dieser Einschätzungen ergaben sich Anhaltspunkte, geschweige denn Belege für ein Fehlverhalten von Herrn Dr. von Zitzewitz."
Im Umfeld des Unternehmens und von Aktionärsschützern wurde kritisiert, dass Kley nach Bekannt werden der Vorwürfe zu wenig unternommen habe.
So habe Infineon trotz einer Eidesstattlichen Versicherung nicht von sich aus die Behörden eingeschaltet. Der Chronologie zufolge wurden die Behörden nicht informiert. Die Staatsanwaltschaft wurde nach eigenen Angaben auf Grund der Presseberichte im vergangenen November aktiv.
Zitzewitz soll 259.000 Euro Schmiergeld von der Schweizer Firma BF Consulting kassiert haben. Nach einer Durchsuchungsaktion in der vergangenen Woche sieht sich die Staatsanwaltschaft in ihrem Verdacht bestätigt.
Bestechungsverdacht erhärtet sichDie Chronologie nach Infineon
Das Unternehmen räumt ein, dass Schumacher Ende März 2004 einen Tag vor seinem Rausschmiss Kley über die Vorwürfe gegen Zitzewitz informiert hat.
Dabei habe er auch eine Art Eidesstattliche Versicherung des BF-Consulting-Chefs Ralf-Udo Schneider präsentiert, in der dieser angab, "Kick Back"-Zahlungen an Zitzewitz geleistet zu haben. Auf diesem Weg sollen Zahlungen von Infineon an die Agentur teilweise an Zitzewitz zurückgeflossen sein.
Kley habe Zitzewitz sofort mit den Vorwürfen konfrontiert, heißt es in der Chronologie. Dieser habe aber erklärt, die Behauptungen seien unwahr. Zudem habe Kley noch am selben Tag den Justiziar von Infineon um eine Prüfung der Vorwürfe gegeben. Zusätzlich sei auch noch ein externer Anwalt als Gutachter eingeschaltet worden.
Schneider habe keine Beweise für seine Vorwürfe vorlegen können, die Aufsichtsräte kamen aufgrund mangelnder Beweise und Glaubwürdigkeit Schneiders zu dem Schluss, dass "kein Anlass für eine Abberufung Zitzewitz wegen Pflichtverletzung vorlag".
Als im November im Umfeld einer Verhandlung zwischen Infineon und BF Consulting die Vorwürfe erneut in die Presse kamen, bat Infineon Schneider laut Unternehmensangaben erneut um Beweise. In der Infineon-Rechtsabteilung wurde vermutet, dass mit den Gerüchten in der Auseinandersetzung mit der Agentur Druck auf Infineon ausgeübt werden sollte. Die Rechtsabteilung habe die Vorwürfe dennoch erneut geprüft. Da es keine neuen Hinweise gab, habe Kley die Gerüchte als "böse Verleumdung" bezeichnet. Auch spätere Überprüfungen hätten keine Beweise ergeben.
Die Skandalchronik von Infineon
