Die Skandalchronik von Infineon
Der Rücktritt des für die Speicherchip-Sparte zuständigen Infineon-Vorstands Andreas von Zitzewitz am Samstag hat zwar nicht direkt mit dem Geschäftsgang bei Halbleitern zu tun ins Bild - passt er allemal.
Wohl kaum ein deutsches Unternehmen hat in nur sechs Jahren seines Bestands so viele negative Schlagzeilen produziert, wie der deutsche Chiphersteller Infineon, die Nummer sechs in der Chipbranche weltweit.
Im zweiten Geschäftsquartal 2005 fiel wegen der Nachfrageschwäche bei Handychips und Umbaukosten für die Kommunikationssparte wieder ein Verlust von 114 Millionen Euro an, der Umsatz schrumpfte um zwölf Prozent. Es laufen weitere Sparprogramme.
Im vergangenen Geschäftsjahr [bis 30. September 2004] erwirtschaftete Infineon mit mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz gerade einmal 61 Millionen Euro Gewinn. Schon das - das mit großem Abstand schlechteste Verhältnis zwischen Umsatz und Gewinn der großen Chiphersteller - wurde als Erfolg gefeiert: In den drei vorherigen Geschäftsjahren hatte Infineon Verluste von rund 2,5 Milliarden Euro angehäuft, Tausende Jobs gestrichen oder ausgelagert.
Von Zitzewitz wird laut Staatsanwaltschaft unter anderem vorgeworfen, sechsstellige Vermittlungsprovisionen für die Anwerbung von Sponsoring-Partnern bei Motorsport-Veranstaltungen erhalten zu haben, die angeblich nicht versteuert wurden.
Infineon-Vorstand Zitzewitz tritt zurück"Dieter Bohlen" und der "Königsmörder"
Wie der im Frühjahr 2004 abmontierte Vorstandschef Ulrich Schumacher hat auch von Zitzewitz, dem nach Schumachers Abgang der Ruf des "Königsmörders" blieb, ein großes Faible für den Motorsport.
Im März 2004 war der Vorstandsvorsitzende Ulrich Schuhmacher in einer Blitzaktion über Nacht geschasst worden. Schuhmacher, dem das Epithet "Dieter Bohlen der Wirtschaft" anhing, war vor allem durch seine Kombination von rüden Methoden, starken Sprüchen und deutlich sichtbarem Engagement für den Motorsport bekannt geworden.
Blitzabtritt des Infineon-ChefsDie Wut des Kleinaktionärs
So manchen Kleinaktionär lässt der Name Infineon immer noch die Fäuste Ballen. Vom Spitzenkurs von mehr als 90 Euro auf dem Höhepunkt der New-Economy-Blase im Jahr 2000 ist die Aktie auf mittlerweile 10 Euro abgeschmiert.
Das Papier des 1999 gegründeten Siemens-Ablegers war nach einer beispiellosen Hype beim Börsendebüt im Frühjahr 2000 33-fach überzeichnet gestartet und auf Höhenflug gegangen, der allerdings nicht sehr lange hielt.
Das Börsendebüt: Hype und Überzeichnung
