17.07.2005

CHIPMARKT

Die Skandalchronik von Infineon

Der Rücktritt des für die Speicherchip-Sparte zuständigen Infineon-Vorstands Andreas von Zitzewitz am Samstag hat zwar nicht direkt mit dem Geschäftsgang bei Halbleitern zu tun ins Bild - passt er allemal.

Wohl kaum ein deutsches Unternehmen hat in nur sechs Jahren seines Bestands so viele negative Schlagzeilen produziert, wie der deutsche Chiphersteller Infineon, die Nummer sechs in der Chipbranche weltweit.

Im zweiten Geschäftsquartal 2005 fiel wegen der Nachfrageschwäche bei Handychips und Umbaukosten für die Kommunikationssparte wieder ein Verlust von 114 Millionen Euro an, der Umsatz schrumpfte um zwölf Prozent. Es laufen weitere Sparprogramme.

Im vergangenen Geschäftsjahr [bis 30. September 2004] erwirtschaftete Infineon mit mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz gerade einmal 61 Millionen Euro Gewinn. Schon das - das mit großem Abstand schlechteste Verhältnis zwischen Umsatz und Gewinn der großen Chiphersteller - wurde als Erfolg gefeiert: In den drei vorherigen Geschäftsjahren hatte Infineon Verluste von rund 2,5 Milliarden Euro angehäuft, Tausende Jobs gestrichen oder ausgelagert.

"Dieter Bohlen" und der "Königsmörder"

Wie der im Frühjahr 2004 abmontierte Vorstandschef Ulrich Schumacher hat auch von Zitzewitz, dem nach Schumachers Abgang der Ruf des "Königsmörders" blieb, ein großes Faible für den Motorsport.

Die Wut des Kleinaktionärs

So manchen Kleinaktionär lässt der Name Infineon immer noch die Fäuste Ballen. Vom Spitzenkurs von mehr als 90 Euro auf dem Höhepunkt der New-Economy-Blase im Jahr 2000 ist die Aktie auf mittlerweile 10 Euro abgeschmiert.