Blitzabtritt des Infineon-Chefs
Infineon-Chef Ulrich Schumacher hat gestern überraschend mit sofortiger Wirkung seinen Posten beim sechstgrößten Halbleiterhersteller der Welt niedergelegt.
Der Aufsichtsrat habe von seinem Recht Gebrauch gemacht, seinem Vorsitzenden Max Dietrich Kley vorübergehend den Vorstandsvorsitz zu übertragen, teilte Infineon in München mit.
Ein Sprecher wollte sich auf Anfrage zu den Gründen nicht äußern. Doch Auslöser war offenbar ein heftiger Streit über die Strategie und den Führungsstil des Infineon-Chefs.
Aktie im Minus
An der Börse rutschte der Kurs der Infineon-Aktie nach der
Mitteilung deutlich ab und drehte mit zeitweise drei Prozent ins
Minus.
EU genehmigt Beihilfe für Infineon-Werk"Dieter Bohlen der Wirtschaft"
In der gestern kurzfristig anberaumten Aufsichtsratssitzung sei es zu einer Generalabrechnung gekommen, erklärte die IG Metall in München. "Es hat geknallt", sagte ein Gewerkschafter. Ein wesentlicher Punkt sei dabei der von vielen als selbstherrlich kritisierte Führungsstil Schumachers gewesen.
Das habe sich in wenig behutsamer Personalpolitik, rigoroser Verlagerung von Jobs ins Ausland auch auf wirtschaftlich zweifelhafter Grundlage und imageschädigenden Standortdiskussionen niedergeschlagen.
Mit seiner Art, die Medien als Plattform für Kritik am Standort Deutschland zu gebrauchen, sei er eine Art "Dieter Bohlen der Wirtschaft", sagte Betriebsrat Rudi Steinberger unter Applaus auf einer Betriebsversammlung.
