Infineon-Vorstand Zitzewitz tritt zurück
Der für das Speicherchip-Geschäft des deutschen Konzerns zuständige Manager habe sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt, teilte das Unternehmen mit.
Von Zitzewitz wolle den Chiphersteller nicht mit den laufenden Untersuchungen belasten und sich voll auf das sich abzeichnende Verfahren konzentrieren.
Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung. Verdächtigt werden neben dem für die Speicherchip-Sparte zuständigen Von Zitzewitz auch der früher ebenfalls in diesem Bereich tätige Harald Eggers, wie Behördenleiter Christian Schmidt-Sommerfeld erklärte.
Weiterhin wird gegen den Betreiber der schweizerischen Sponsoring-Agentur BF Consulting, Udo Schneider, ermittelt.
Von Zitzewitz leitet derzeit die Speicherchip-Sparte von Infineon, für die der Konzern Branchenkreisen zufolge für Herbst einen Börsengang erwägt. Zitzewitz gilt wie der ehemalige Infineon-Chef Ulrich Schumacher als großer Motorsport-Anhänger. Der Chip-Konzern hat auch die Rennsportserie Formel 1 als Sponsor des Jordan-Honda-Teams begleitet. Infineon habe nach dem Ausscheiden von Schumacher seine Engagements im Motorsport so weit wie möglich beendet, hieß es am Samstagabend.
Infineon soll Chipsparte an Börse bringenWeitläufige Durchsuchungen
Bei einer Großrazzia wurden nach Angaben von Schmidt-Sommerfeld bis zum späten Freitagabend die Konzernzentrale sowie Büros und Wohnungen in Deutschland und der Schweiz durchsucht.
Er bestätigte weitgehend Vorabberichte von "Spiegel" und "Focus" und kündigte für Montag eine Erklärung seiner Behörde an.
Sechsstellige Provisionen
Von Zitzewitz und Eggers wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter anderem vorgeworfen, von Schneider sechsstellige Vermittlungsprovisionen für die Anwerbung von Sponsoring-Partnern bei Motorsport-Veranstaltungen erhalten zu haben, die angeblich nicht versteuert wurden.
Von Zitzewitz steht laut "Focus" im Verdacht, 259.000 Euro von Schneider angenommen und Schneiders BF Consulting im Gegenzug Co-Sponsoring-Verträge mit Infineons Zulieferfirmen vermittelt zu haben.
Von Zitzewitz gilt dem "Spiegel" zufolge bisher bei einem geplanten Börsengang der Speicherchip-Sparte von Infineon als Favorit für den Vorstandsvorsitz.
Infineon mit düsterem AusblickNebenbei entdeckt
Der 2004 bei Infineon ausgeschiedene Eggers soll während seiner Zeit beim Münchner Konzern für 50.000 Dollar einen Co-Sponsoring-Vertrag eingefädelt haben.
Unaxis-Chef Eggers wollte dem Schweizer Fernsehen zufolge unter Hinweis auf das laufende Verfahren keine Stellung zu den Vorwürfen nehmen. Eggers, der deutscher Staatsbürger ist, weile derzeit "im Ausland", hieß es in der Schweiz.
Grund für die Aufnahme der Ermittlung waren laut Schmidt-Sommerfeld Äußerungen von Schneider anlässlich eines Rechtsstreits zwischen BF Consulting und Infineon wegen eines vorzeitig gekündigten Sponsoring-Vertrages.
Großer Motorsport-Fan
Schneider erwähnte am Rande der nicht-öffentlichen Verhandlung vor dem Münchner Landgericht, dass er Zitzewitz über drei Jahre hinweg 300.000 Euro habe zukommen lassen.
Von Zitzewitz gilt wie der ehemalige Infineon-Chef Ulrich Schumacher als großer Motorsport-Anhänger. Der Chip-Konzern hat auch die Rennsportserie Formel 1 als Sponsor des Jordan-Honda-Teams begleitet.
Infineon habe nach dem Ausscheiden von Schumacher seine Engagements im Motorsport so weit wie möglich beendet, hieß es von Seiten Infineons.
"Wir unterstützen die Behörden in jeder Hinsicht bei ihren Ermittlungen. Wir sind ebenso an einer vollständigen Aufklärung interessiert", so Infineon-Chef Wolfgang Ziebart.
InfineonSchumacher hatte den weltweit viertgrößten Chip-Konzern im März 2004 verlassen, was im Aufsichtsrat mit einem autoritären, unkooperativen Führungsstil des Managers sowie strategischen Differenzen begründet worden war. Offiziell hat sich der Konzern jedoch nie zu den Gründen für die Trennung geäußert. Ziebart ist seit September Chef von Infineon.
Großaufräumen bei Infineon
