19.11.2004

REAL & LIFE

Humanoide Pacmans in Singapur

Pacman begeistert seit nunmehr Jahrzehnten die Massen. Nachdem Anfang des Jahres bereits ein Projekt in Manhattan die Spielfigur zum Leben erweckt hat, geht nun eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Singapur noch einen Schritt weiter.

Während virtuelle Realitäten den User in eine computergenerierte Umgebung versetzen, kombiniert die "erweiterte Realität" reale und virtuelle Informationen, um eine digital veränderte Version der realen Welt zu schaffen.

In "Human Pacman" wird ein Mensch als 3-D-Pacman in den Straßen von Singapur ausgesetzt. Ausgerüstet mit einem tragbaren Computer, Headset und Display-Brille bewegt er sich durch die Stadt, seine Bewegungen werden von GPS-Receivern und Bewegungssensoren erfasst und über WLAN auf ein zentrales Computersystem übertragen.

Virtuelle Punkte und reale Zuckertöpfe

Die Spielregeln sind dieselben wie im originalen Arcade-Game, nur dass die neue Version reale und virtuelle Elemente verbindet. Die gelben Punkte, die Pacman sammeln muss, sind rein virtuell und werden vom Spieler über seine Brille wahrgenommen. Aber es gibt auch echte Energiepunkte, die mit Bluetooth-Transceivern ausgerüstet darauf warten, aufgesammelt zu werden.

Der Spieler kann sich aussuchen, ob er lieber Pacman oder einer der Geister sein möchte. Die Spieler "fressen" einander, indem sie einander an der Schulter berühren. Jedoch kann auch Kontakt mit Leuten außerhalb des Spiels aufgenommen werden, die den Spielfortgang beobachten und von Computer-Terminals Nachrichten an die Spielfiguren schicken können.

Laut den Spielentwicklern ist die größte Herausforderung bei "Human Pacman" ein möglichst genaues Tracking der Spieler, damit die virtuellen Elemente zu jedem Zeitpunkt mit der realen Infrastruktur übereinstimmen.

Militärischer Einsatz möglich

Erweiterte Realitäten könnten künftig ihren Einsatz aber nicht nur in Spielen finden. Verschiedenste Forschungsgruppen arbeiten bereits an erweiterten Realitätssystemen, die etwa Chirurgen bei komplizierten Operationen helfen sollen.

Ein weitere Anwendung könnte die Verschmelzung von realer und virtueller Welt auf dem Schlachtfeld von morgen sein. Soldaten, mit einem Display im Helmvisier ausgestattet, bekommen von einer Zentrale Informationen über ihren aktuellen Standort und werden so "ferngesteuert".

Ein ähnliches Projekt wie "Human Pacman" wurde an einer australischen Universität mit dem Ego-Shooter "Doom" realisiert, wo sich der Spieler durch seinen Uni-Campus kämpft.