03.08.2004

REALITÄT

Virtuelle Welten mildern Schmerzen

Oftmals ist auch die maximale Dosis eines Schmerzmedikaments bei starken Schmerzen nicht ausreichend, mitunter kann sie sogar gefährlich sein.

Daher suchen die Wissenschaftler Wege, Patienten mit starken akuten Schmerzen anderweitig zu helfen. Eine Möglichkeit könnte die Ablenkung durch das Eintauchen in eine virtuelle Welt sein.

Studien haben gezeigt, dass Patienten in einer virtuellen Realität [VR] derart abgelenkt werden können, dass sie weniger Aufmerksamkeit auf die Schmerzsignale ihres Körpers lenken.

Menschen hätten nur ein begrenztes Aufmerksamkeitvermögen und es sei schwer, zwei Dinge zur selben Zeit zu machen, so Hunter G. Hoffman, Psychologe an der University of Washington und Chef des dort ansässigen Virtual Reality Analgesia Research Center.

Schmerzempfinden schwindet

Hoffman und seine Kollegen haben in den letzten Jahren VR beim Schmerz-Management getestet. Bereits das Resultat der ersten Studie, bei der zwölf Personen mit Brandverletzungen während des Verbandwechsels getestet wurden, zeigte eine viel versprechende neue Möglichkeit.

Einige Patienten verbrachten, weiter unterstützt durch Medikamente, einen Teil ihrer Zeit in einer VR-Session, die anderen spielten ein Videospiel.

Während das Videospiel keine Effekte zeigte, berichteten die VR-Patienten von einem Nachlassen des Schmerzempfindens zwischen 40 und 50 Prozent.

Auf Grund dieses Ergebnisses machten die Forscher eine zweite Studie. Diesmal nutzten sie die Magnet-Resonanz-Tomographie, um die Aktivitäten des Gehirns, speziell der Schmerzzentren, zu verfolgen.

Ablenkung hilft

Während die acht gesunden Patienten in der MRT-Röhre lagen, wurden sie mit einem speziellen Helm in eine virtuelle Welt geführt. Währenddessen simulierten die Forscher an ihren Fußsohlen schmerzhafte Hitzeattacken.

Waren die Probanden in der virtuellen Welt [und flogen dabei durch einen verschneiten Canyon, wo sie Schneebälle auf Ziele wie Iglus und Schneemänner warfen], bemerkten sie die starke Hitze an ihren Füßen kaum. Die Hirn-Scans zeigten, dass die Fähigkeit des Gehirns, den Schmerz wahrzunehmen, zum großen Teil abgenommen hatte.

Die Teilnehmer berichteten, dass im Vergleich [Experiment ohne VR] die Gedanken an den Schmerz um 35 Prozent, Unannehmlichkeiten durch Schmerzen um 36 und das Empfinden besondes starker Schmerzen um 23 Prozent abnahmen.

Hirn verarbeitet nicht dual

Auch hier zeigten die Hirn-Scans, dass, während die Patienten in der virtuellen Realität waren, die Aktivität in den fünf wichtigsten Schmerzzentren um bis zu 97 Prozent abnahm.