Zukunft der Nachrichten liegt im Internet
Die Zukunft der Nachrichten-Berichterstattung liegt im Internet.
Traditionelle Medienhäuser müssten lernen, wie sie ihre Produkte auf Kunden, die schnelle und personalisierte Informationen wünschen, zuschneiden, erklärte Associated Press-Chef Tom Curley.
Die Verbreitung von Breitband-Anschlüssen führe dazu, dass Computer und ihre Nutzer in Zukunft immer online seien, so Curley weiter. Dies ändere zudem die Machtverteilung.
Nicht mehr die Medienkonzerne würden festlegen, was wann gesehen oder gelesen wird, sondern die Nutzer könnten selbst über Online-Newssites, Suchmaschinen und Videorekorder bestimmen, was sie wissen wollen und wann und wo sie darüber informiert werden.
Auf das Internet entfällt inzwischen 20 Prozent der gesamten Medien-Nutzung in Europa - im Jahr 2003 waren es noch rund zehn Prozent. Es rangiert damit noch vor Zeitschriften [sieben Prozent] und Zeitungen [zehn Prozent Anteil].
Internet holt bei Mediennutzung weiter aufHobby-Paparazzis mit Kamerahandy
"Man muss sich daran gewöhnen, dass alles 'gegoogelt', 'deep-linked' und 'geTivot' wird," so Curley.
Schon zeigen sich erste Auswirkungen dieses Online-Trends in der Berichterstattung. So werde etwa immer mehr Video-Material für den multimedialen Gebrauch gedreht, so Curley.
Manche Zeitungen rufen ihre Leser inzwischen gar dazu auf, Schnappschüsse aus dem Kamerahandy zur Auffrischung aktueller Berichte zur Veröffentlichung im Internet zu liefern. Besonders begehrt sind dabei zufällig geschossene Fotos von Prominenten.
Dies könnte zu einer wahren Flut an Hobby-Paparazzis führen, wenn sich das heimliche Knipsen auch noch finanziell lohnt.
Inzwischen ist schon fast jedes neue Handy mit einer Kamera ausgestattet, die immer kleiner und leistungsfähiger ist.
Kamerahandys weiter auf der ÜberholspurWeblogger wollen Journalisten sein
Auch würden immer mehr Netz-User ihre eigenen News und Ideen via Weblogs verbreiten.
Schätzungen zufolge posten die weltweit vier Millionen Blogger etwa 400.000 Meldungen pro Tag.
Für die Nachrichtenagenturen werde es dadurch immer schwerer im Online-Newsgetöse nicht überhört zu werden, so der AP-Chef.
Trotzdem glaubt Curley daran, dass die großen Medienkonzerne überleben werden. "Die Blogger brauchen eine Grundlinie an Fakten und Analysen auf denen ihre Kommentare basieren", ist er überzeugt.
Dass die Blog-Berichterstattung oft dazu tendiert, mehr die Meinung der Verfasser, denn die Fakten widerzuspiegeln hat sich in der US-Wahlnacht gezeigt. Im Versuch, der Erste zu sein, die Stimmung einzufangen und den richtigen Trend vor den ersten Hochrechnungen zu prognostizieren, wurde Kerry von vielen bereits als Sieger gesehen.
US-Wahl: Keine Nacht der Blogger
