Analysten warnen vor Chipwerten
Die Halbleiterbranche steht nach Einschätzung von Finanzexperten vor dem Ende einer rund anderthalbjährigen Boomphase.
Eine nachlassende Nachfrage vor allem nach Chips für PCs und Unterhaltungselektronik werde die Gewinnmargen von Halbleiterproduzenten wie
Infineon belasten. Analysten raten deshalb, bereits während der erwarteten Geschäftsbelebung im Weihnachtsgeschäft den Anteil von Chipwerten in den Aktienportfolios zu reduzieren.
"Die Halbleiterindustrie hat im zweiten Quartal ihre Spitze erreicht. Die Wachstumsraten gehen jetzt deutlich zurück", meint Günther Hollfelder, Analyst bei der HVB. Dass sich die Abkühlung bereits im dritten Quartal deutlich bemerkbar gemacht habe, habe er in dieser Stärke nicht erwartet. Er rät derzeit zu einer nur selektiven Investition in Halbleiteraktien.
Der weltgrößte Halbleiter-Hersteller Intel hatte Anfang September seine Umsatz- und Gewinnprognose für das laufende Quartal auf Grund der schwachen Nachfrage nach PC-Mikroprozessoren und Kommunikations-Chips nach unten geschraubt.
Halbleiter-Branche im AbwärtssogAbkühlung der Konjunktur
In den vergangenen Tagen hatten mehrere Investmenthäuser auf die anstehende Abkühlung der Branchenkonjunktur hingewiesen und einzelne Werte aus dem Chipsektor deutlich kritischer beurteilt.
Die Analysten von Goldman Sachs nahmen jüngst ihre Gewinnschätzung für Infineon für 2005 um 18 Prozent zurück. Morgan Stanley senkte das Kursziel für die Aktien des Münchener Halbleiterproduzenten auf zwölf von 16 Euro. Die Analysten reagierten damit auf zuletzt eher zurückhaltende Äußerungen von Firmenchefs zur Entwicklung des Sektors.
Philips senkte den Ausblick für seine Chip-Sparte. Statt eines Wachstums erwartet der niederländische Elektronikkonzern im dritten Quartal nun einen Umsatz im Halbleiterbereich auf dem Niveau vom Vorquartal.
Angesichts zahlreicher neuer Chipfabriken sehen die meisten Experten schon im kommenden Jahr wieder Überkapazitäten in der ohnehin äußerst schwankungsanfälligen Industrie.
Hynix treibt Bau von Chipfabrik voranGehemmtes Wachstum
HSBC-Analyst Thomas Becker verweist auf die allgemeine Erwartung, dass der Umsatz in der Chipbranche auch in den kommenden Monaten zulegt. "Allerdings werden die Wachstumsraten weiter zurückgehen."
Hollfelder rechnet nach einem Branchenwachstum von 25 bis 30 Prozent in diesem Jahr für das kommende Jahr nur noch mit einem Zuwachs von fünf Prozent. Selbst diese Wachstumsrate hält Jürgen Wagner, Analyst bei Sal. Oppenheim, für ambitioniert.
Beide raten den Anlegern, die rund um das Weihnachtsgeschäft zu erwartende Nachfrage zu nutzen, um die Chipwerte in ihren Portfolios zu reduzieren. "Wir werden noch eine kleine Rally in den Chipwerten bis Anfang Dezember sehen. Dann sollte man angesichts der Unsicherheiten über die Wachstumsraten im kommenden Jahr aus den Chipwerten aussteigen", meint Becker.
Laut Hollfelder versprechen jedoch einzelne Werte aus dem Technologiebereich mittelfristig durchaus weitere Kursgewinne. So werde der Hersteller von Elektronikkomponenten Epcos von der anhaltend guten Entwicklung im Mobilfunk profitieren, die Aktie sich daher besser entwickeln als der Branchendurchschnitt.
Konsolidierung auf dem Halbleitermarkt
