Die IT-Woche im Überblick

13.10.2007

In Deutschland wird die Verfassungsmäßigkeit der Online-Durchsuchung geprüft, an Österreichs Schulen wird der Erziehungslaptop XO getestet, und in der Musikindustrie bleibt kein Stein auf dem anderen. Diese und andere Themen beschäftigten uns in der Woche vom 8. bis 13. Oktober.

Gleich zu Beginn der Woche überraschte die heimische Telekom Austria [TA] damit, das Handygeschäft von Tele2 mit seinen rund 131.000 Kunden für rund sieben Mio. Euro zu übernehmen. Tele2 war in Österreich bisher als virtueller Mobilfunker im Netz von One tätig gewesen.

Naturgemäß stößt der Schritt bei One nicht gerade auf Freude. Dort wird erwartet, dass nun ein Jahresumsatz in Millionenhöhe entfällt.

Zudem halte man den Schritt bei One wettbewerbsrechtlich für "bedenklich". Die Bundeswettbewerbsbehörde kündigte eine rasche Prüfung an.

Tele2-Sprecher Jörg Wollmann sagte auf Anfrage von ORF.at, dass die Tele2-Kunden nichts von dem Wechsel bemerken würden. "Telefonnummern, Guthaben, Tarifmodelle - auch vom Festnetz ins Mobilnetz: Alles bleibt gleich."

Megadeal bei SAP

Auch der deutsche Software-Konzern SAP kündigte am Montag eine milliardenschwere Übernahme an und kehrt damit von seiner bsherigen Taktik, von selbst zu wachsen, ab. Das Unternehmen will für den französisch-amerikanischen Software-Anbieter Business Objects rund 4,8 Mrd. Euro bezahlen.

Google als Überflieger

Google sorgte vergangene Woche bei seinen Anlegern für Freudentaumel. Die Aktie des Internet-Konzerns durchbrach zum ersten Mal die 600-Dollar-Marke und notierte zeitweise bei rund 623 Dollar. Die Analysten sehen ein weiteres Aufwärtspotenzial.

XO kommt an Österreichs Schulen

Auf Bildung für Entwcklungsländer setzt das MIT mit seiner "One Laptop per Child"-Initiative [OLPC], die sich zum Ziel gesetzt hat, einen Laptop für 100 Dollar zu bauen, der als Erziehungsmaßnahme eingesetzt werden kann.

Derzeit kostet der XO zwar noch mehr, durch den Verkauf in den Industriestaaten sollen aber zusätzliche Geräte für ärmere Länder finanziert werden.

In Österreich will das Bildungsministerium die Laptops demnächst in vier Volksschulen testen. Der von Skeptikern als "Kindercomputer" gescholtene XO hat zahlreiche Fähigkeiten, die auch wesentlich teureren Notebooks fehlen. Die wichtigste davon ist seine Offenheit, die den freien Austausch von Wissen und Software erlaubt.

Bereits die Grundfunktionen laden den Nutzer eines XO zum Experimentieren und Herumspielen ein - vor allem Kinder, für die das Gerät gedacht ist. So kann das gesamte Trackpad für die Eingabe mit Stiften genutzt werden, etwa zum Erlernen des Schreibens.

Online-Durchsuchung auf dem Prüfstand

Ab Mittwoch stand dann alles im Zeichen der umstrittenen Online-Durchsuchung mit Polizei-Trojanern, die der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble [CDU] durchsetzen will.

Das deutsche Verfassungsgericht eröffnete die erste Verhandlung über die Rechtmäßigkeit von Online-Durchsuchungen. Der deutsche Datenschützer Patrick Breyer hält die Diskussion für ein Ablenkungsmanöver, um die weit bedrohlichere Vorratsdatenspeicherung ungestört durchzuziehen. In Österreich läuft alles zum Verwechseln ähnlich ab.

Konkret geht es in Karlsruhe um die Änderungen am Verfassungsschutzgesetz des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, mit denen die dortige CDU-Landesregierung dem Verfassungsschutz erlauben will, über das Netz auf die Rechner Verdächtiger zuzugreifen.

Eine Journalistin sowie Politiker der Linkspartei und drei Anwälte hatten gegen die Änderungen geklagt. Mit einem Urteil ist erst Anfang des kommenden Jahres zu rechnen.

Musiker suchen neue Vertriebswege

Auch in der Musikindustrie tat sich vergangene Woche einiges. So legte Jammie Thomas, die unter der Woche eine Strafe von 222.000 Dollar für Filesharing aufgebrummt bekommen hatte, Berufung ein.

Radiohead starteten den Download ihres neuen Albums "In Rainbows", bei dem die Nutzer selber bestimmen dürfen, wie viel sie dafür bezahlen wollen. Die Fans zeigten sich dabei relativ spendabel.

Immer mehr Musiker kehren von den bisherigen Vertriebswegen und der Bindung an Riesenkonzerne ab.

So kündigte Nine-Inch-Nails-Frontman Trent Reznor am Montag auf der Band-Website an, künftig auf die Dienste seiner Plattenfirma verzichten zu wollen.