17.02.2004

GEIER

Rennen um deutsche Lkw-Maut beginnt

Nach dem endgültigen Aus für die deutsche Lkw-Maut durch das Konsortium Toll Collect beginnt nun das Rennen um die Neuvergabe des Auftrags.

Die österreichische Autobahngesellschaft ASFINAG hat bereits letzte Woche entsprechende Gespräche mit Deutschland bestätigt. ASFINAG-Sprecher Marc Zimmermann erklärte, Kapsch, Autostrade und die ASFINAG seien mit den deutschen Entscheidungsträgern in Verhandlungen.

Nun hat auch die Schweizer Firma Fela angekündigt, bei der Errichtung der deutschen Lkw-Maut zum Zuge kommen zu wollen. Andernfalls will Fela klagen.

Verkehrsstaatssekretär Helmut Kukacka [ÖVP] will bei seinem deutschen Amtskollegen Ralf Nagel für die österreichische Mautlösung werben. Auch Verkehrsminister Hubert Gorbach [FPÖ] sieht nun "eine große Chance für österreichisches Know-how". Gorbach will "alles unternehmen", um den deutschen Kollegen "zur Seite zu stehen".

Fela "garantiert" 18 Monate

Der deutsche Verkehrsminister Manfred Stolpe hatte aber kurz nach dem Scheitern der Gespräche erklärt, dass für ihn nur ein satellitengestützes System in Frage komme. Die österreichische Lösung setzt bekanntermaßen auf Mikrowellentechnik.

Fela-Sprecher Peter Kirchmeier sagte am Dienstag, sein Unternehmen sei bereit, Toll Collect als Partner zu unterstützen, und garantiere den Start eines satellitengestützten Systems nach spätestens 18 Monaten. "Auch für uns wäre eine kleine Lösung, die ohne Neuausschreibung funktionieren würde, natürlich die bessere und schnellere."

An einer neuerlichen Ausschreibung würde sich Fela aber auch beteiligen, sagte Kirchmeier. "Sollten wir in der deutschen Maut nicht zum Zuge kommen, werden wir unsere berechtigten Interessen auch über juristische Wege verfolgen." Kirchmeier begründete das damit, dass die ursprüngliche Ausschreibung von dem späteren Vertrag mit Toll Collect abweiche.

Autostrade setzt auf Satelliten

Der italienische Autobahnbetreiber Autostrade sieht ebenfalls die Chance, wieder verstärkt bei den künftigen Verhandlungen mitzumischen. Man hoffe, dass sich das Konsortium jetzt der helfenden Hände bediene, die sich schon seit längerer Zeit ausstreckten, erklärte Magnus Wied, Pressesprecher für Autostrade in Deutschland.

Mit seiner Technologie will Autostrade Mauteinnahmen binnen 14 bis 18 Monaten garantieren. "Wir setzen auch weiterhin auf eine Kooperation mit Toll Collect und nicht auf eine Neuausschreibung", so Wied.

Auf lange Sicht sei das von Toll Collect geplante Satellitensystem besser als das Mikrowellensystem, das Autostrade anbietet. Bisher hatte Toll Collect eine solche Zusammenarbeit abgelehnt.

Autostrade bietet dem deutschen Bund noch für dieses Jahr einen Bonus von einer Milliarde Euro und garantiert schon für 2005 etwa 2,1 Milliarden. "Offizielle Verhandlungen mit Toll Collect gibt es noch nicht, aber wir rechnen spätestens in der kommenden Woche damit, dass jemand auf uns zukommen wird."

Zwei Monate Frist für Toll Collect

Derzeit hat das Betreiberkonsortium Toll Collect, bestehend aus Deutscher Telekom [DT], DaimlerChrysler und dem französischen Autobahnbauer Cofiroute, noch zwei Monate Zeit, einen neuen Vertrag vorzulegen.

Die angekündigte Kündigungsanzeige von Stolpe werde "intensivst geprüft", so ein Sprecher der DT. Ob damit auch die Möglichkeit eines nochmals nachgebesserten Angebots verbunden sei, wollte er nicht sagen. "Alles weitere werden die Analysen ergeben", sagte der Sprecher.

Die deutsche Regierung geht durch die verzögerte Erhebung der Lkw-Maut von rund 6,5 Milliarden Euro Schaden aus. Das von Toll Collect zuletzt vorgelegte Angebot bedeute eine Verschiebung gegenüber dem ursprünglichen Vertrag um 28 Monate, schrieb Stolpe in seinem Kündigungsbrief an das Konsortium. Daraus ergebe sich die genannte Schadenssumme.