ESA-Sonde im Anflug auf Roten Planeten
Die vor sechs Monaten gestartete europäische Sonde "Mars Express" wird voraussichtlich in der Nacht auf den 25. Dezember ihr Ziel erreichen.
Derzeit ist "Mars Express" noch rund 4,7 Mio. Kilometer vom Roten Planeten entfernt, mit jeder Sekunde werden es um drei Kilometer weniger.
Während der Satellit "Mars Express" bei der Ankunft in eine Umlaufbahn um den Planeten einschwenken wird, soll der Landeroboter "Beagle II" auf dem Mars aufsetzen.
Seit dem Start am 2. Juni vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan sind bis auf einige "Kinderkrankheiten" wie eine zu geringe Energieversorgung keine Probleme aufgetreten.
Mars-Sonde muss Energie sparen"Selbst den Sonnensturm vor einigen Wochen, der uns viel Stress gemacht hat, hat die Sonde gut überstanden", erklärte Projektleiter Rudolf Schmidt.
Sonnenstürme waren bis Tirol sichtbarÖsterreichische Technologie an Bord
Die Mission steht nicht nur unter österreichischer Projektleitung, auch zahlreiche wissenschaftliche Einrichtungen aus Österreich sind daran beteiligt.
So stammt die thermische Isolation des Satelliten wie bei vielen ESA-Missionen zuvor von Austrian Aerospace, die auch Teile der mechanischen Bodentestausrüstung für "Mars Express" geliefert hat.
Das Institut für digitale Bildverarbeitung des Joanneum Research in Graz wird aus den Bildern von "Beagle II" ein digitales 3-D-Geländemodell der näheren Umgebung berechnen.
Mit den Bildern der Marsoberfläche - rund 150 Millionen Quadratkilometer - aus dem Satelliten wird sich das Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung der Technischen Universität Wien beschäftigen.
Die gesammelten Daten wird das Institut für Weltraumforschung [IWF] der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz auswerten und dabei vor allem die Entwicklung der Marsatmosphäre studieren.
Für die Verwaltung der etwa zwei Terabyte an Daten wurde das "TMIS" [Topographic Mars Information System] an der TU Wien entwickelt, das auch eine Vielzahl von Visualisierungs- und Analysemöglichkeiten bietet.
Österreich fliegt mit zum Mars"Champagner schon bestellt"
Schmidt ist zuversichtlich und skeptisch zugleich: "Der Orbiter 'Mars Express' schafft das sicher. Die Landung von 'Beagle II' ist allerdings viel stressiger."
Bremsfallschirme und Airbags sollen dafür sorgen, dass der 60 Kilo schwere "Beagle II", der anfangs mit 20.000 km/h auf den Plantenen zurasen wird, die Oberfläche unbeschadet erreicht.
Nach der Landung soll "Beagle II" sofort ein erstes Foto der Umgebung schießen.
"Den Champagner haben wir schon für 5.00 Uhr bestellt", so Schmidt.
Fast zeitgleich mit der europäischen Mars-Sonde starteten die beiden NASA-Rover - getrennt, mit zwei Trägerraketen - zum Mars, ihre Landung ist für Jänner geplant. Im Gegensatz zu "Beagle II" werden die Rover mobil sein und auf der Marsoberfläche umherfahren.
Zweiter Mars-Rover endlich unterwegsBlur-Song beim ersten Kontakt
Um etwa 6.00 Uhr des 25. Dezember könnte erstmals Kontakt mit "Beagle II" aufgenommen werden. Zu diesem Zeitpunkt kommt der US-Satellit "Odyssey" in Reichweite und könnte mit dem Landeroboter kommunizieren.
Sollte dieser Kontakt nicht funktionieren, und Schmidt rechnet eher nicht damit, kommt "Beagle II" um etwa 23.00 Uhr in das "Gesichtsfeld" einer britischen Radioteleskopstation.
"Beagle II" strahlt einen kontinuierlichen Ton ab. Wird dieser beantwortet, schickt der Landeroboter das erste Foto sowie eine kurze, von der britischen Popband Blur komponierte Melodie in Richtung Erde.
Die Sonde hat am Montag bereits das erste Bild vom Roten Planeten geschossen.
Alle Infos der ESA zu "Mars Express"
