Österreich fliegt mit zum Mars
Eine große österreichische Beteiligung gibt es bei der Raumsonde "Mars Express" der europäischen Weltraumagentur ESA, die nach jüngsten Mitteilungen am 2. Juni zum Roten Planeten starten soll.
Der Leiter der gesamten Mission, Rudolf Schmidt, stammt aus Österreich. An zahlreichen Einzelprojekten und -experimenten sind zudem österreichische Wissenschaftler beteiligt.
Das Institut für digitale Bildverarbeitung des Joanneum Research in Graz liefert einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Projekts. Es soll aus den Bildern der zwei Kameras, die auf dem Robotergreifarm der Sonde "Beagle II" angebracht sind, ein digitales dreidimensionales Geländemodell der näheren Umgebung rund um die Sonde berechnen.
"Auf Basis dieser Bilder wird dann entschieden, wo genau welche Steine untersucht werden", erklärte Projektleiter Gerhard Paar.
Institut für digitale Bildverarbeitung Joanneum ResearchDie Reise zum Mars
"Mars Express" besteht aus einem Orbiter, der mindestens ein
Marsjahr - rund 687 Tage - den Planeten umkreisen soll, und der
kleinen Landesonde "Beagle II". Am 2. Juni soll kurz vor Mitternacht
[23.45 Uhr Ortszeit, 19.45 MESZ] eine von Starsem betriebene
Sojus-Rakete vom Baikonur Kosmodrom in Kasachstan starten und "Mars
Express" auf seinen Weg bringen. Die Reise zum Mars wird sechs
Monate dauern, die Sonde soll ihren Mars-Orbit am 26. Dezember 2003
erreichen.
Mars ExpressBeteiligung der TU Wien
Mit den Bildern aus dem um den Mars kreisenden Satelliten wird sich das Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung der Technischen Universität Wien beschäftigen. Eine Stereokamera soll mit einer Auflösung von bis zu zehn Metern die gesamte Oberfläche des Planeten - rund 150 Millionen Quadratkilometer - fotografieren.
Auf diese Bilder sollen dann weltweit Wissenschaftler Zugriff haben, um beispielsweise ein detailliertes dreidimensionales Geländemodell des Mars zu berechnen. "Dazu ist die Verwaltung enormer Datenmengen notwendig, wir rechnen mit mindestens zwei Terabyte", erklärt TU-Professor Josef Jansa.
Die TU-Wissenschaftler sind spezialisiert in der Verwaltung großer Gelände- und Bilddatenmengen und haben für das Projekt das "Topographic Mars Information System" [TMIS] entwickelt.
TMIS
Das System bietet neben der Datenverwaltung eine Reihe von
Visualisierungs- und Analysemöglichkeiten wie Perspektivansichten,
dreidimensionale Modelle und 360-Grad-Panoramadarstellungen, wie sie
für die Simulation künftiger Landungen eingesetzt werden könnten.
Topographic Mars Information SystemIWF untersucht Marsatmosphäre
Das Institut für Weltraumforschung [IWF] der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz ist eines der Laboratorien, die Zugang zu den gesamten Daten erhalten. "Wir wollen vor allem die Entwicklung der Marsatmosphäre studieren", so Helmut Lammer.
Dazu messen die Wissenschaftler mit mehreren Instrumenten des Satelliten, welche Bestandteile der Atmosphäre und wie viele davon ins Weltall entweichen. Aus diesen Daten hofft man Rückschlüsse ziehen zu können, wie der Planet früher beschaffen war und ob er tatsächlich erdähnlicher war als heute.
Simulation des Mars
Um entsprechende Vergleichsdaten zu haben, stellen die Forscher
des IWF in ihren Labors marsähnliche Materialien her und setzen sie
verschiedenen Bedingungen aus. Damit lässt sich eine Wechselwirkung
zwischen Atmosphäre und Materialien simulieren.
Institut für WeltraumforschungBeteiligung der Austrian Aerospace
Die thermische Isolation des Satelliten stammt wie bei anderen
ESA-Missionen zuvor von Austrian Aerospace, die auch Teile der
mechanischen Bodentestausrüstung für "Mars Express" geliefert hat.
Austrian Aerospace
