Softwareprobleme stoppen Lkw-Maut
Wegen gravierender Softwarefehler muss die Einführung der Lkw-Maut in Deutschland zum zweiten Mal verschoben werden.
Erst am 15. Oktober könne wichtige Software für das System aufgespielt werden, so ein Sprecher des deutschen Verkehrsministers Manfred Stolpe nach einem Krisengespräch mit Vertretern des Betreiberkonsortiums Toll Collect am Sonntag.
Diese sei Voraussetzung für die letzte Probephase, für die laut Vertrag mindestens vier, eigentlich sogar acht Wochen vorgesehen sind. Damit ist der 2. November als geplanter Termin für die Einführung der Maut nicht mehr zu halten.
Neue Termine wurden keine genannt, der Ministeriumssprecher bekräftigte, die Bekanntgabe neuer Fristen für den Maut-Start sei Sache des Konsortiums.
An dem Treffen nahmen unter anderem die Vorstände der Deutschen Telekom und DaimlerChrysler teil. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, das Betreiberkonsortium werde nun "unverzüglich" die vorliegende Mängelliste "mit dem Ziel des schnellstmöglichen Starts des Probebetriebs" abarbeiten.
86 Fehler vor Maut-Start behebenÖsterreich widerspricht EU-Plan
Die EU-Kommission strebt ein einheitliches, satellitengestütztes
Bezahlsystem für Straßenbenutzungsgebühren in den EU-Ländern an, um
Behinderungen für den grenzüberschreitenden Straßenverkehr zu
verhindern. Würden diese EU-Pläne allerdings wirklich umgesetzt,
wäre das derzeit in Österreich entstehende Lkw-Mautsystem technisch
hinfällig.
EU-Plan widerspricht AT-MautsystemFehlerliste mit 86 Punkten
Vor einer Woche war bei einem Treffen von Fachleuten des Konsortiums - aus DaimlerChrysler Services, der Deutschen Telekom und dem privaten französischen Autobahnbetreiber Cofiroute - eine Mängelliste mit 86 Einzelpunkten erstellt worden.
Das gravierendste Problem: Die Einwahlsoftware für das satellitengestützte System funktioniere nicht, weder automatisch noch manuell.
Die Liste solle nun unverzüglich abgearbeitet werden, damit der Probebetrieb so schnell wie möglich starten könne, erklärte Toll Collect. Nähere Angaben wurden nicht gemacht.
Das computergestützte Mautsystem macht seit Wochen Negativschlagzeilen. Nach jahrelangen Planungen sollte das System bereits zum 31. August 2003 starten. Der Start platzte, weil das System nicht betriebsbereit war.
Mit einem Gerät in der Größe eines Autoradios im Armaturenbrett der Lkws soll die Maut mittels GSM/GPS-Technologie kilometergenau abgerechnet werden. Nach Angaben der Spediteure funktioniert der Großteil der Geräte gar nicht oder fehlerhaft. Mehrere tausend Erfassungsgeräte mussten zurückgerufen werden.
Lkw-Mautsystem in SchwierigkeitenFrage der Haftung
Das deutsche Verkehrsministerium will nun über die Einnahmeausfälle und die Haftung des Konsortiums verhandeln. Pro Monat entgehen dem deutschen Staat nach Angaben des Ministeriums 156 Millionen Euro.
In einer gemeinsamen Erklärung mit Toll Collect heißt es, der Vertrag werde angepasst und alle Fragen, die sich aus der Terminverschiebung ergäben, würden einvernehmlich geklärt.
Deutsche Spediteure wollen Schadenersatz
Währenddessen klagten die deutschen Spediteuren gegen Toll
Collect und verlangen Schadenersatz für den Umsatzausfall während
der Wartezeiten, so der Deutsche Speditions- und Logistikverband
[DSLV].
Lkw-Maut landet vor Gericht
