"Geister-GSM-Netz" muss Betrieb stoppen
Seit Anfang der Woche können Besitzer von GSM-Handys wieder in Bagdad telefonieren.
Obwohl es in der Stadt offiziell noch gar kein GSM-Netz gibt, hat der Handynetzbetreiber Batelco aus Bahrain auf eigene Faust ein Roaming-Netzwerk in der irakischen Hauptstadt errichtet.
Die von den USA eingesetzte Verwaltung im Irak fordert Batelco nun auf, den Betrieb wieder einzustellen, da der abtrünnige Netzbetreiber damit die US-eigenen Ausbaupläne für den Irak durchkreuzt.
Ausschreibung läuft
Erst letzte Woche wurde die Ausschreibung von drei landesweiten
Lizenzen für kommerzielle Mobilfunk-Netzwerke begonnen.
Interessenten sind neben Batelco auch MTC-Vodafone, das derzeit
schon den Südirak mit GSM-Telefonie versorgt, die Kuwaitische
Wataniya Telecom, die ägyptische Orascom Telecom und
US-Telefonkonzern MCI.
Ausschreibung für irakisches Handynetz läuftLukrative Lizenzvergabe
Innerhalb weniger Tage hat das neue GSM-Netz, das auch internationale Anrufe und den Versand von SMS ermöglicht, die hochpreisigen Thuraya Satelliten-Handys aus dem benachbarten Dubai als wertvollste Kommunikationsmittel abgelöst. Zumindest unter ausländischen Journalisten und Geschäftsleuten, erst wenige Iraker besitzen GSM-Mobiltelefone.
"Wir haben die Betreiber aufgefordert, das Netz wieder abzuschalten," erklärt eine Sprecherin der von den USA und Großbritannien geführten Koalition [Coalition Provisional Authority - CPA]. "Sie haben keinerlei Befugnis für einen Betrieb."
Die Vergabe von Mobilfunk-Lizenzen gehört zu den potenziell lukrativsten Geschäften beim Wiederaufbau des Irak. Unter der Herrschaft von Saddam Hussein war der Gebrauch von Mobiltelefonen generell untersagt.
Betalco will weitere 53 Mio. USD investieren
Bisher hat Betalco die Errichtung des Roamingnetzes fünf Mio. USD
gekostet. Batelco hofft dadurch auch bei der Vergabe der
Mobilfunk-Lizenzen berücksichtigt zu werden. Geplant sind in den
kommenden 18 Monaten weitere 53 Mio. USD an Investitionen.
Rätsel um "Geister-GSM-Netz" gelüftetEntscheidung in 14 Tagen möglich
Wann die offiziellen Lizenzen genau vergeben werden, steht noch nicht fest. Es soll sich jedoch nur noch um "Wochen" handeln.
Die Ausschreibung der drei landesweiten Lizenzen für kommerzielle Mobilfunk-Netzwerke wurde vergangene Woche gestartet, erste Vorschläge sollen nächste Woche besprochen werden. Bereits 14 Tage später könnte die definitive Entscheidung gefällt sein.
Der bahrainische Service, der derzeit noch im Testbetrieb läuft, soll laut einer CPA-Sprecherin schon sehr bald gestoppt werden.
Ob das Vorpreschen den Bahrainern eher geschadet oder genutzt hat, sei derzeit noch nicht abzusehen, "es sei ein offener Wettbewerb". Die Lizenzvergabe werde rein nach finanziellen Aspekten entschieden.
GSM vs CDMA
Bisher ist immer noch nicht entscheiden, welcher Standard im Irak
den Zuschlag bekommt. Zur Debatte stehen der amerikanische Standard
CDMA [code division multiple access] oder der rivalisierende
GSM-Standard, der neben Europa auch in den Nachbarstaaten des Iraks
im Einsatz ist.
Debatte um Iraks Handynetz wird ernst
