26.07.2003

BAGDAD

"Geister-GSM-Netz" muss Betrieb stoppen

Seit Anfang der Woche können Besitzer von GSM-Handys wieder in Bagdad telefonieren.

Obwohl es in der Stadt offiziell noch gar kein GSM-Netz gibt, hat der Handynetzbetreiber Batelco aus Bahrain auf eigene Faust ein Roaming-Netzwerk in der irakischen Hauptstadt errichtet.

Die von den USA eingesetzte Verwaltung im Irak fordert Batelco nun auf, den Betrieb wieder einzustellen, da der abtrünnige Netzbetreiber damit die US-eigenen Ausbaupläne für den Irak durchkreuzt.

Lukrative Lizenzvergabe

Innerhalb weniger Tage hat das neue GSM-Netz, das auch internationale Anrufe und den Versand von SMS ermöglicht, die hochpreisigen Thuraya Satelliten-Handys aus dem benachbarten Dubai als wertvollste Kommunikationsmittel abgelöst. Zumindest unter ausländischen Journalisten und Geschäftsleuten, erst wenige Iraker besitzen GSM-Mobiltelefone.

"Wir haben die Betreiber aufgefordert, das Netz wieder abzuschalten," erklärt eine Sprecherin der von den USA und Großbritannien geführten Koalition [Coalition Provisional Authority - CPA]. "Sie haben keinerlei Befugnis für einen Betrieb."

Die Vergabe von Mobilfunk-Lizenzen gehört zu den potenziell lukrativsten Geschäften beim Wiederaufbau des Irak. Unter der Herrschaft von Saddam Hussein war der Gebrauch von Mobiltelefonen generell untersagt.

Entscheidung in 14 Tagen möglich

Wann die offiziellen Lizenzen genau vergeben werden, steht noch nicht fest. Es soll sich jedoch nur noch um "Wochen" handeln.

Die Ausschreibung der drei landesweiten Lizenzen für kommerzielle Mobilfunk-Netzwerke wurde vergangene Woche gestartet, erste Vorschläge sollen nächste Woche besprochen werden. Bereits 14 Tage später könnte die definitive Entscheidung gefällt sein.

Der bahrainische Service, der derzeit noch im Testbetrieb läuft, soll laut einer CPA-Sprecherin schon sehr bald gestoppt werden.

Ob das Vorpreschen den Bahrainern eher geschadet oder genutzt hat, sei derzeit noch nicht abzusehen, "es sei ein offener Wettbewerb". Die Lizenzvergabe werde rein nach finanziellen Aspekten entschieden.