04.04.2003

POST-WAR

Bildquelle: Issa

Debatte um Iraks Handynetz wird ernst

Was letzte Woche noch wie ein schlechter Scherz klang, dürfte ab heute ernsthaft im US-Kongress debattiert werden: Welche Unternehmen im Irak nach Kriegsende ein Handynetz errichten und welcher Mobilfunkstandard dabei zum Einsatz kommt.

Die USA müssten sich frühzeitig für eine Entscheidung zu Gunsten des amerikanischen Standards CDMA an Stelle des europäischen GSM einsetzen, forderte letzte Woche der kalifornische Kongress-Abgeordnete Darell Issa [Republikaner] in einem Brief an Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Issa hat dazu auch eine Unterschriftenkampagne im Kongress gestartet.

Issa sitzt für San Diego im Kongress, wo sich auch die Qualcomm-Zentrale, Entwickler der CDMA-Technologie, befindet.

Laut der "LA Times" hat Qualcomm hinter den Kulissen bereits mit der Lobbyarbeit für CDMA begonnen. Der US-Kongress debattiert heute über ein Milliarden-Paket für den Wiederaufbau im Irak.

GSM-Verband gibt sich korrekt

Auch die GSM-Association hat sich bereits in der Diskussion über den Standard des zukünftigen irakischen Mobilfunknetzes zu Wort gemeldet. Rob Conway, CEO der GSM Association, verurteilte in einem Statement die nationalistischen Untertöne in dem Brief des Issas.

Issa hatte in seinem Brief an Rumsfeld GSM als ausschließlich europäischen, im Speziellen französischen Standard dargestellt. Offensichtlich wollte der Kongressabgeordnete die zurzeit herrschende antifranzösische Stimmung ausnutzen.

Schlechtes Timing für eine Nischentechnologie

Selbst in den USA wird das Lobbying für ein CDMA-Netz im Irak teilweise als unpassend empfunden.

Gartner-Analyst Philip Redman sieht die Ursache für das unsensible Vorgehen schlicht darin, dass Qualcomm angesichts sinkender CDMA-Marktanteile "Anzeichen der Verzweiflung" zeige.

Obwohl der Standard in den USA und Südkorea noch sehr stark sei, ist er laut Gartner auf dem Weg zu einem "Nischenprodukt".

GSM dominiert Mittleren Osten

In der gesamten Region um den Irak dominiert derzeit GSM. Und in der im kurdischen Autonomiegebiet gelegenen Stadt Sulaymaniya [etwa 750.000 Einwohner] und ihrer Umgebung besteht bereits ein GSM-900-Netz, dessen Ausdehnung auf weitere Städte im Kurdengebiet geplant ist.

Für Bagdad hatte die irakische Regierung 1998 mit dem chinesischen Huawei-Konzern einen Vertrag über 28 Mio. USD für die Errichtung eines GSM-Netzwerkes für 25.000 User geschlossen.

Auf Grund amerikanischen Widerstandes gegen das Projekt ist bis 2001 kein Netz errichtet worden. Dann ist Huawei ohne offizielle Begründung aus dem Vertrag ausgestiegen.