22.07.2003

OOPS

Ein "Geister-GSM-Netz" in Bagdad

Besitzer von GSM-Handys erlebten heute in Bagdad eine Überraschung: Die Geräte funktionierten plötzlich und internationale Anrufe und der Versand von SMS sind möglich.

Das verblüffende daran ist, dass es in der Stadt offiziell noch gar kein GSM-Netz gibt und auch die erreichten Roaming-Netzbetreiber nicht verantwortlich zeichnen wollen.

Die Handys bauen derzeit eine Roaming-Verbindungen zu MTC-Vodafone [Kuweit] oder Batelco [Bahrein] auf. Ein MTC-Vodafone-Sprecher zeigte sich prinzipiell erfreut, sagte allerdings, dass er nichts von entsprechenden Aktivitäten seines Unternehmens wüsste.

Auch Vertreter der US-Administration zeigten sich am Dienstag verwundert. Dass es plötzlich funktionierende Handy-Netze gebe, sei "seltsam", sagte ein hochrangiger Vertreter der US-geführten Verwaltung.

Ausschreibung läuft

Die von den USA eingesetzte Verwaltung hat erst letzte Woche mit der Ausschreibung von drei landesweiten Lizenzen für kommerzielle Mobilfunk-Netzwerke begonnen.

Unterdessen gibt es schon zwei lokale GSM-Netzwerke im Land: MTC-Vodafone hat vor rund einem Monat im Südirak ein GSM-Netz in Betrieb genommen. Versorgt werden die Stadt Basra und wesentliche Verbindungsrouten über Land. Die entsprechende Lizenz hat der Netzbetreiber vom britischen Verteidigungsministerium und einer irakischen Behörde erhalten.

Und in der im kurdischen Autonomiegebiet gelegenen Stadt Sulaimanija [etwa 750.000 Einwohner] und ihrer Umgebung gab es schon vor dem Krieg ein GSM-Netz.

Schließlich soll der US-Telefonkonzern MCI ein "kleines" GSM-Netz errichten, dass mit 19 Funktürmen zwischen 5.000 und 10.000 Telefone von offiziellen Kräften für den Aufbau in Bagdad versorgen soll.

GSM vs CDMA

Die laufende Ausschreibung um die landesweiten Netze werden noch von der Diskussion um den eingesetzten Standard dominiert:

Die USA müssten sich für eine Entscheidung zu Gunsten des amerikanischen Standards CDMA an Stelle des europäischen GSM einsetzen, fordert unter anderem der kalifornische Kongress-Abgeordnete Darell Issa [Republikaner] immer wieder.

Issa sitzt für San Diego im Kongress, wo sich auch die Qualcomm-Zentrale, Entwickler der CDMA-Technologie, befindet.