Goldgrube Satelliten-Handys
Eines der wertvollsten Besitzstücke im informationstechnologisch momentan nicht-existenten Land Irak ist ein Thuraya Satelliten-Handy aus dem benachbarten Dubai. Für ihre Besitzer werfen diese raren Teile nämlich bares Geld ab, weil die Telefonnetze im Irak nach wie vor nicht funktionieren.
Bis zu hundert Kunden täglich wollten vor allem nur eines, erzählt einer der Betreiber dieser fahrenden Telefonzellen der Nachrichtenagentur Reuters, nämlich Verwandten und Bekannten im Ausland mitteilen, dass man noch lebe.
Die wenigsten Irakis können sich freilich Minutentarife von zehn US-Dollar leisten, ein technischer Angestellter etwa verdiente vor dem Sturz des Regimes rund 50 USD pro Monat.
Orte, wo Telefonie existiert, wie das mit Journalisten gefüllte "Palestine Hotel", werden daher regelrecht belagert. Auch bei der Zentrale des Roten Kreuzes versuchen täglich hunderte Menschen, vergeblich ein Telefonat abzusetzen.
"Satellitentelefone als Bombenziele"Fahrende Telefonzellen
Die Besitzer der fahrenden Telefonzellen - die Thuraya-Handys werden logischerweise über die Autobatterie aufgeladen - verdienen enorme Summen. Laut Angaben des Netzbetreibers werden höchstens 1,50 US-Dollar pro Gesprächsminute verrechnet, die Dual Mode Handys für GSM und Satellitentelefonie [Ascom, Hughes] kosten 840 Dollar.
"Wenn sie das Geld haben, können die Irakis im Ausland anrufen, aber es gibt keine Möglichkeit, im Land selbst zu telefonieren. Es ist furchtbar für Menschen, völlig ohne Kontakt mit der Familie zu sein. Die Leute wollen wissen, ob ihre Verwandten noch leben.", sagte Roland Huguenin-Benjamin, Sprecher des Roten Kreuzes im Irak.
Bombardierte Switches
Man müsse sich fragen, ob es wirklich notwendig war, die
Telefonzentralen zu bombardieren, so Huguenin-Benjamin, es werde
Monate dauern, bis Telefonie wieder möglich sei.
Der E-Shop von ThurayaDie erste Zeitung kam von der KP
Das Rennen um die erste, nach der Diktatur produzierte Zeitung gewannen ausgerechnet die Kommunisten. Der lange verbotene "Volkspfad" machte nicht ganz überraschend mit der Schlagzeile "Sturz eines Diktators" auf, Hammer und Sichel prangen darunter.
Noch überraschter darüber als die Einwohner von Bagdad waren wohl nur die US-Besatzer. Weitere Medien gibt es anscheinend noch nicht.
Die Irakis informieren sich bei Radiostationen aus dem benachbarten Ausland bzw. dem arabischen Dienst der BBC und dem von den USA gesponserten Sender Radio Sawa.
Propaganda am Himmel
Die von US Flugzeugen drei Stunden täglich ausgestrahlten
Propaganda-Trailer können in Bagdad wegen Strommangels kaum, in
Europa gelegentlich gesehen werden. Via Eutelsat Hotbird digital,
12,303 GHz vertikal wurden sie auf dem Transponder 80 von Kurdistan
TV mehrmals beobachtet. Erkennbare Sendepläne gibt es bei dieser
Station nicht, die anders als die ebenfalls kurdischen Medya TV und
Kurdsat momentan nur sporadisch sendet.
Kurdistan TV wird von der Demokratischen Partei Kurdistans betrieben
