21.04.2003

IRAK

Bildquelle: APA

Goldgrube Satelliten-Handys

Eines der wertvollsten Besitzstücke im informationstechnologisch momentan nicht-existenten Land Irak ist ein Thuraya Satelliten-Handy aus dem benachbarten Dubai. Für ihre Besitzer werfen diese raren Teile nämlich bares Geld ab, weil die Telefonnetze im Irak nach wie vor nicht funktionieren.

Bis zu hundert Kunden täglich wollten vor allem nur eines, erzählt einer der Betreiber dieser fahrenden Telefonzellen der Nachrichtenagentur Reuters, nämlich Verwandten und Bekannten im Ausland mitteilen, dass man noch lebe.

Die wenigsten Irakis können sich freilich Minutentarife von zehn US-Dollar leisten, ein technischer Angestellter etwa verdiente vor dem Sturz des Regimes rund 50 USD pro Monat.

Fahrende Telefonzellen

Die Besitzer der fahrenden Telefonzellen - die Thuraya-Handys werden logischerweise über die Autobatterie aufgeladen - verdienen enorme Summen. Laut Angaben des Netzbetreibers werden höchstens 1,50 US-Dollar pro Gesprächsminute verrechnet, die Dual Mode Handys für GSM und Satellitentelefonie [Ascom, Hughes] kosten 840 Dollar.

"Wenn sie das Geld haben, können die Irakis im Ausland anrufen, aber es gibt keine Möglichkeit, im Land selbst zu telefonieren. Es ist furchtbar für Menschen, völlig ohne Kontakt mit der Familie zu sein. Die Leute wollen wissen, ob ihre Verwandten noch leben.", sagte Roland Huguenin-Benjamin, Sprecher des Roten Kreuzes im Irak.

Die erste Zeitung kam von der KP

Das Rennen um die erste, nach der Diktatur produzierte Zeitung gewannen ausgerechnet die Kommunisten. Der lange verbotene "Volkspfad" machte nicht ganz überraschend mit der Schlagzeile "Sturz eines Diktators" auf, Hammer und Sichel prangen darunter.

Noch überraschter darüber als die Einwohner von Bagdad waren wohl nur die US-Besatzer. Weitere Medien gibt es anscheinend noch nicht.

Die Irakis informieren sich bei Radiostationen aus dem benachbarten Ausland bzw. dem arabischen Dienst der BBC und dem von den USA gesponserten Sender Radio Sawa.