Neue Kommunikationsnetze für den Irak
Derzeit benötigt der Irak auf der Infrastrukturseite wohl am nötigsten Elektrizität und Wasser, doch auch für den Aufbau der Kommunikationsnetze gibt es schon einige Anwärter.
Zahlreiche Firmen hoffen darauf, das Telefonnetz, das bereits seit dem ersten Golfkrieg nur noch rudimentär funktionierte, eine Internet-Infrastruktur und Mobilfunknetze im Irak aufbauen zu können.
Die USA haben allerdings noch keine Angaben darüber gemacht, wie Telekom-Verträge vergeben werden, ob die Verträge aus Saddam Husseins Regierungszeit Gültigkeit behalten oder ob US-Firmen oder britische Firmen bevorzugt werden.
Die US-Agentur für internationale Entwicklung, die einige Wiederaufbauprojekte im Irak verteilt, werde die Vergabe der Telekom-Abkommen jedenfalls nicht regeln, teilte ihr Sprecher mit.
Im Irak gibt es außer in einer Gegend im kurdischen Norden keine Mobilnetze, und Satellitentelefone sind ebenso rar wie teuer.
Goldgrube SatellitenhandysRationierte Telefone
Das Telefonsystem wurde im ersten Golfkrieg größtenteils zerbombt und wegen der Handelssanktionen nur sporadisch wieder aufgebaut. In den letzten Jahren wurden Telefonanrufe daher rationiert.
1990 kamen auf 100 Iraker 5,3 Telefonleitungen, 1998 waren es nur noch drei, so eine Studie der International Telecommunications Union. Der benachbarte Iran hat 16, Syrien elf, und in den USA kommen auf 100 Personen 67 Telefonleitungen.
Vor Beginn des zweiten Golfkrieges wurden die Kosten für den Aufbau auf eine Milliarde USD über sieben bis zehn Jahre geschätzt.
Dazu kommt nun zusätzlich der vor dem Krieg offensichtlich nicht vorhergesehene Wiederaufbau der Bagdader Wählämter. Laut den US-Marines sollen jedoch 95 Prozent der Netzwerke intakt sein, nur ohne Stromversorgung. Manche Wählämter sollen wieder funktionieren, jedoch nur für lokale Anrufe.
Geplünderte Infrastruktur
Die offizielle Website des Irak, Uruklink, ist immer noch
offline.
Irak, Land ohne Info-TechnologieInteressierte Firmen
Die meisten irakischen Telekom-Verträge wurden unter Saddam Hussein mit der Türkei und Frankreich abgeschlossen, ein Großteil des Telefonnetzwerkes wurde von der französischen Alcatel in den 1980er Jahren gebaut.
Ein Sprecher von Alcatel sagte, dass sein Unternehmen zwar Geschäfte im Irak machen wolle, die Chancen könne man derzeit jedoch noch nicht abschätzen.
US-Konkurrent Lucent ließ durch seinen Sprecher mitteilen, dass man bereit sei, der US-Regierung für den Wiederaufbau der Telefonnetze "jede mögliche Unterstützung" anzubieten.
Auch das Unternehmen AT&T, das nach dem Kuwait-Krieg 1991 die dort zerstörten Telefonsysteme mit aufbaute, möchte sich am Aufbau sehr gerne beteiligen, so sein Sprecher.
Diskussion über Mobilstandards
Noch als der Krieg im Gange war, wurde in den USA bereits über
den Aufbau eines Mobiltelefonnetzes diskutiert. Dazu forderte der
kalifornische Kongress-Abgeordnete Darell Issa [Republikaner] in
einem Brief an Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die Bevorzugung
des amerikanischen Standards CDMA an Stelle des "französischen" GSM.
Debatte um Iraks Handynetz wird ernstWLAN und VoIP
Auch Motorola, das sowohl für CDMA als auch GSM produziert, sei an einer Beteiligung am Aufbau im Irak interessiert, so ein Sprecher der Firma.
Manche Stimmen werden zudem laut, dass, egal welcher Datenkommunikationsaufbau im Irak betrieben wird, auch drahtlose Technologien und Voice over IP [VoIP] für Fernverbindungen eingesetzt werden sollten, um dem Irak den "technologischen Sprung an die Spitze der zu entwickelnden Länder zu ermöglichen".
