Jowood widerspricht Übernahmegerüchten
Der angeschlagene österreichische Computerspielehersteller Jowood steht "möglicherweise" kurz vor dem Verkauf.
Wie das "WirtschaftsBlatt" berichtet, soll bereits mit einem strategischen Partnern über einen Einstieg verhandelt werden. Auch eine Übernahme wird nicht ausgeschlossen. "Sie sind bedeutend größer als wir und an uns herangetreten", zitiert die Zeitung Jowood-Finanzvorstand Manfred Pistauer.
Jowood hat allerdings inzwischen die "Übernahmegerüchte" dementiert: "Im Gegensatz zu anders lautenden Gerüchten in österreichischen Wirtschaftsmedien hält Jowood Productions Software AG an einer Betriebsfortführung unter eigenständiger Struktur fest", teilt das Unternehmen mit.
Eine "engere Zusammenarbeit mit Partnern" werde angestrebt, sei allerdings mittelfristiges Ziel und stehe derzeit nicht im Fokus des Restrukturierungskonzepts. An dem im Jahr 2002 begonnenen Restrukturierungskonzept werde festgehalten, die Umsetzung laufe plangemäß, so Jowood weiter.
Zuvor hatte Finanzvorstand Pistauer dem "WirtschaftsBlatt" allerdings das Gegenteil berichtet: Die fortlaufende Finanzierung klappe nicht nach Wunsch. "Eine Bank schert aus", so Pistauer.
Jowood war im Jahr 2002 in die Krise geraten, weil sich der Absatz von Computerspielen nicht wie erwartet entwickelt hatte. Im Zuge der Restrukturierung wurden dem Unternehmen bereits drei Mio. Euro an frischem Kapital zugeführt. Die Belegschaft wurde seit Ausbruch der Krise halbiert. Bank Austria Creditanstalt, Volksbanken und die Steiermärkische Sparkasse ließen zuletzt 8,95 Millionen Euro Schulden nach.
Jowood baut Hälfte der Mitarbeiter abWeitere Kapitalerhöhung
Wie bereits am Mittwoch mit Veröffentlichung einer Einladung zur Hauptversammlung bekannt wurde, plant Jowood Ende März die Beantragung einer weiteren Kapitalerhöhung.
Bis zu fünf Millionen junge Aktien zum Stückpreis von einem Euro sollen genehmigt werden. Das Grundkapital soll damit von derzeit 10,7 Mio. Euro auf bis zu 15,7 Mio. Euro aufgestockt werden.
Übernimmt der vom Finanzvorstand erwähnte neue Partner alle jungen Aktien, käme er auf knapp mehr als 30 Prozent der Anteile. Damit müsste es in diesem Fall auch ein Übernahmeangebot für alle übrigen Aktionäre geben, was in einen Börsenrückzug münden könnte.
Am Donnerstagvormittag notiert die JoWooD-Aktie in Wien mit 0,66 Euro 4,76 Prozent über dem Schlusskurs des Vortages, damit allerdings nur knapp über dem historischen Tief von 0,60 Euro. An der Wiener Börse muss die Jowood-Aktie demnächst ein unangenehmes "Downgrading" hinnehmen: Die Aktie wird am 24. März aus dem Spitzensegment ATX Prime herausfallen und fortan im Segment Standard Market Continous gehandelt werden. Grund dafür ist, dass das Papier die Anforderungen des obersten Marktsegments bezüglich der Streubesitzbestimmungen nicht mehr erfüllt.
Jowood wechselt das BörsensegmentVertriebstöchter
Weiterhin unklar ist unterdessen das Schicksal der beiden großen Jowood-Vertriebstöchter Dynamic Systems und der erst im Sommer 2001 zugekauften deutschen Leisuresoft.
Im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft Spieleentwicklung stünden diese zum Verkauf, ließ das Unternehmen vor rund einem Monat verlauten, um einige Stunden später die eigene Aussage gleich wieder drastisch zu relativieren:
Ein Verkauf der beiden Vertriebstöchter müsse jetzt "nicht unbedingt notwendig sein".
Jowood strebe in erster Linie Partnerschaften für die beiden Vertriebstöchter an: "Inwieweit das Engagement von Jowood bei den Vertriebstöchtern dann weiter besteht, hängt von der Art der Partnerschaft ab", "konkretisierte" Pistauer seine eigenen Aussagen zu einem Verkauf.
Eiertanz um Jowood-Vertriebstöchter
