Eiertanz um Jowood-Vertriebstöchter
Im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft Spieleentwicklung stünden beim im Vorjahr massiv in Liquiditätsnöte geratenen steirischen Computerspiele-Hersteller Jowood die beiden großen Vertriebstöchter Dynamic Systems und die erst im Sommer 2001 zugekaufte deutsche Leisuresoft zum Verkauf, ließ das Unternehmen heute Vormittag verlauten.
Preislich müsse das "Angebot" aber stimmen, sagte Jowood-Finanzchef Michael Pistauer.
Der Verkauf der Vertriebstöchter soll laut Pistauers Aussagen von heute Vormitag "noch in diesem Jahr über die Bühne" gehen. Darüber gebe es im Vorstand Einvernehmen, auch wenn Dynamic-Systems-Gründer und Jowood-Mitvorstand Andreas Tobler "emotional vom Verkauf am stärksten betroffen" sei.
Pistauer ist seit dem Herbst des Vorjahres maßgeblich an der Sanierung des beinahe in die Insolvenz geschlitterten Jowood mitverantwortlich. "Ich bin angetreten, um ein gutes EBIT zu machen", so Pistauer. Konkrete Angebote gebe es aber noch keine. Neben der Konzentration auf Entwicklung, Marketing und Produktion von Computerspielen soll nur noch der Top-Kundenvertrieb eigenständig weiterverfolgt werden.
2002: Umsatz annähernd Verlust bei JowoodAbrupter Strategiewechsel
Nachdem es heute Vormittag über den Verkauf noch "Einvernehmen im Vorstand" gegeben haben soll, hat Jowood am Nachmittag seine Verkaufsvorhaben "konkretisiert":
Ein Verkauf der beiden Vertriebstöchter muss jetzt plötzlich "nicht unbedingt notwendig sein". Jowood strebe in erster Linie Partnerschaften für die beiden Vertriebstöchter an: "Inwieweit das Engagement von Jowood bei den Vertriebstöchtern dann weiter besteht, hängt von der Art der Partnerschaft ab", "konkretisierte" Pistauer seine eigenen Aussagen zu einem Verkauf.
Eine Entscheidung darüber soll jetzt "etwa bis zum Ende des ersten Quartals" fallen. Unberührt davon sollen aber die tschechische und ungarische Dynamic-Systems-Tochter auf jeden Fall verwertet werden.
Auch die Konkurrenz hat Probleme
Mit der strategischen Ausrichtung auf Topspiele der Genre Rollen-, Strategie- und Actionspiele - diese machen laut Pistauer 50 Prozent des deutschsprachigen elektronischen Spielemarktes aus - sei Jowood nun "auf dem richtigen Weg".
Allein der Anteil der Rollenspiele sei im Vorjahr in Deutschland von vier auf sieben Prozent und jener der Strategiespiele von 22 auf 25 Prozent gestiegen. Auch für 2003 werde ein konstantes Marktwachstum erwartet.
Zudem verdünne sich durch Insolvenzen die Zahl der Spieleanbieter laufend.
"Meilenstein" für die zukünftige positive Entwicklung von Jowood werde neben der Konzentration auf "Toptitel" - für heuer stehen 14 neue Titel und ein Backlog-Katalog von 30 Titeln bereit - jedoch die rasche Umsetzung des neuen Vertriebskonzeptes sowie die Reorganisation der Strukturen und Prozesse, inklusive der Zusammenfassung der Standorte und Funktionen, sein, meinte Pistauer. Die wesentlichen Entscheidungen dazu sollen noch im ersten oder Anfang des zweiten Quartals getroffen werden, die Umsetzung dann im Laufe des Jahres erfolgen. Dabei werde es nochmals zu einem Personalabbau kommen.
Jowood baut Hälfte der Mitarbeiter abOnline- und Konsolen-Games
Den Start des Online-Gaming kündigte Pistauer für das dritte Quartal 2003 mit dem Spiel "Söldner" an. Nicht zuletzt wegen des rückläufigen PC-Spielemarktes - minus zehn Prozent in Deutschland im Vorjahr - will sich Jowood noch stärker in Richtung Konsolenspiele ausrichten.
Dabei sollen tendenziell die Spiele schon so angelegt werden, dass sie auf beiden Plattformen spielbar sind, so Pistauer.
Noch immer nicht entschieden ist die Standortfrage. Jedenfalls soll es laut Pistauer in Österreich eineinhalb Standorte geben, einen Hauptsitz - entweder im Wiener Raum oder in der Steiermark - sowie den Entwicklungsstandort Ebensee in Oberösterreich. In Deutschland soll es nach dem Verkauf von Leisuresoft nur noch einen Firmensitz inklusive der bisherigen Entwicklungseinheiten Wings, Neon und Massive Developement im Frankfurter Raum geben.
Jowood erklärt sich für gerettet
