13.02.2003

HIN & HER

Bildquelle: jowood

Eiertanz um Jowood-Vertriebstöchter

Im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft Spieleentwicklung stünden beim im Vorjahr massiv in Liquiditätsnöte geratenen steirischen Computerspiele-Hersteller Jowood die beiden großen Vertriebstöchter Dynamic Systems und die erst im Sommer 2001 zugekaufte deutsche Leisuresoft zum Verkauf, ließ das Unternehmen heute Vormittag verlauten.

Preislich müsse das "Angebot" aber stimmen, sagte Jowood-Finanzchef Michael Pistauer.

Der Verkauf der Vertriebstöchter soll laut Pistauers Aussagen von heute Vormitag "noch in diesem Jahr über die Bühne" gehen. Darüber gebe es im Vorstand Einvernehmen, auch wenn Dynamic-Systems-Gründer und Jowood-Mitvorstand Andreas Tobler "emotional vom Verkauf am stärksten betroffen" sei.

Abrupter Strategiewechsel

Nachdem es heute Vormittag über den Verkauf noch "Einvernehmen im Vorstand" gegeben haben soll, hat Jowood am Nachmittag seine Verkaufsvorhaben "konkretisiert":

Ein Verkauf der beiden Vertriebstöchter muss jetzt plötzlich "nicht unbedingt notwendig sein". Jowood strebe in erster Linie Partnerschaften für die beiden Vertriebstöchter an: "Inwieweit das Engagement von Jowood bei den Vertriebstöchtern dann weiter besteht, hängt von der Art der Partnerschaft ab", "konkretisierte" Pistauer seine eigenen Aussagen zu einem Verkauf.

Eine Entscheidung darüber soll jetzt "etwa bis zum Ende des ersten Quartals" fallen. Unberührt davon sollen aber die tschechische und ungarische Dynamic-Systems-Tochter auf jeden Fall verwertet werden.

Auch die Konkurrenz hat Probleme

Mit der strategischen Ausrichtung auf Topspiele der Genre Rollen-, Strategie- und Actionspiele - diese machen laut Pistauer 50 Prozent des deutschsprachigen elektronischen Spielemarktes aus - sei Jowood nun "auf dem richtigen Weg".

Allein der Anteil der Rollenspiele sei im Vorjahr in Deutschland von vier auf sieben Prozent und jener der Strategiespiele von 22 auf 25 Prozent gestiegen. Auch für 2003 werde ein konstantes Marktwachstum erwartet.

Zudem verdünne sich durch Insolvenzen die Zahl der Spieleanbieter laufend.

Online- und Konsolen-Games

Den Start des Online-Gaming kündigte Pistauer für das dritte Quartal 2003 mit dem Spiel "Söldner" an. Nicht zuletzt wegen des rückläufigen PC-Spielemarktes - minus zehn Prozent in Deutschland im Vorjahr - will sich Jowood noch stärker in Richtung Konsolenspiele ausrichten.

Dabei sollen tendenziell die Spiele schon so angelegt werden, dass sie auf beiden Plattformen spielbar sind, so Pistauer.