09.02.2003

MICROSOFT

Bildquelle: MS/ORF.at

Endspurt im EU-Kartellverfahren

Nachdem Microsoft mit einem allgemein als extrem mild eingestuften Vergleich das US-Kartellverfahren hinter sich bringen konnte, steht in nächster Zeit die Entscheidung im Verfahren, das die EU-Kartell-Kommission gegen den Konzern führt, an.

Dabei wird ein wesentlich härterer Kampf als der in den USA erwartet. Lobbyisten, die der MS-Mitbewerbern nahe stehen, kolportieren bereits, dass die Kommission "ernsthafte Verstöße" gegen das EU-Kartellrecht gefunden habe.

Die EU-Kommission wirft Microsoft vor, auf rechtswidrige Weise seine beherrschende Stellung auf dem Markt der Betriebssysteme für PCs auf den Markt der einfachen Server-Betriebssysteme erweitert zu haben. Dazu wird ein ähnlicher Zusammenhang bei der Etablierung des "Media Player" vermutet.

"Härte" wird erwartet

Besonders dass die EU-Kommission im August 2001 im Alleingang die 43-Milliarden-USD-Fusion der US-Firmen General Electric und Honeywell platzen ließ, wird in US-Medien immer wieder als Beleg für die zu erwartende "Härte" der EU-Kommission genannt.

Entscheidung vor der Sommerpause

Die EU-Kommission will ihr Kartellverfahren gegen Microsoft bis zur Brüsseler Sommerpause im August abschließen.

Es gilt in Brüssel als unwahrscheinlich, dass die Kommission vor dem US-Konzern klein beigibt.

Bußgeld und Entbündelung

Ein Brüsseler Repräsentant der "Computer & Communications Industry Association", die der MS-Konkurrenz nahe steht, will schon jetzt aus Kommissionskreisen erfahren haben, dass diese "eine ernsthafte Verletzung [der EU-Kartellrichtlinien] gefunden habe. Sie [die Kommission] will daher effiziente Maßnahmen setzen."

In dem Verfahren droht MS ein hohes Bußgeld [bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes] sowie eine stärkere Öffnung von Quellcodes, um anderen Herstellern den Zugang zu Windows zu ermöglichen.

Kompromissbereitschaft

Microsoft hat in dem Wettbewerbsstreit mit der EU-Kommission Anfang Jänner erstmals Kompromissbereitschaft gezeigt. Mehrere Änderungen sollen demnach die Kompatibilität fremder Programme mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows verbessern, kündigte ein Unternehmenssprecher an. Man werde zudem technische Details zu einigen Internet-Funktionen von Windows offen legen.

Das Unternehmen hofft, damit die Bedenken der Brüsseler Behörde auszuräumen.

Und Ende Jänner hat MS in einem anderen Fall der EU-Datenschutzkommission nachgegeben und dabei eingewilligt, sein umstrittenes Verifizierungssystem "Passport" zu ändern. Das wird ebenfalls als Zeichen der Verhandlungsbereitschaft des Konzerns im Kartellverfahren gewertet.