31.10.2002

KNALLEFFEKT

Bildquelle: ORF.at

Tele2 fehlt Lizenz zum Mobilfunken

Knalleffekt in der österreichischen Telekom-Szene. Die Telekom-Control-Kommission hat am Donnerstag einen einstimmig verabschiedeten Bescheid an Tele2 und Telekom Austria zugestellt.

Darin wird das Begehren von Tele2, die eigene Mobilfunkinfrastruktur mit dem Festnetz der Telekom Austria zusammenzuschalten, zurückgewiesen. Das MVNO-Projekt [Mobile Virtual Network Operator] von Tele2 muss damit bis auf Weiteres auf Eis gelegt werden.

Tele2 wollte als "Untermieter" im Netz [und mittels der Frequenzen] von One Mobilfunkdienste unter eigener Marke anbieten, ohne über eine eigene Lizenz oder eigene Frequenznutzungsrechte zu verfügen. Der Bescheid soll nun bekämpft werden.

Keine Investitionen, keine Rechte

Während für Tele2-Manager Norbert Wieser die Entscheidung "überhaupt nicht nachvollziehbar" ist, wird sie bei den Konkurrenzunternehmen Mobilkom, "3" und Telering begrüßt. T-Mobile und TA waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Unternehmenssprecherin der Mobilkom Austria, Elisabeth Mathes, zeigte sich im Telefonat mit der futureZone "einigermaßen zufrieden" mit der getroffenen Entscheidung. "Wir verstehen nicht, warum jemand, der kein Investment betreibt, die gleichen Rechte haben sollte. Daher nehmen wir den Bescheid wohlwollend zur Kenntnis", sagte Mathes.

"Telering begrüßt die Entscheidung, worin die Erbringung von 'virtuellen' Mobilfunkdiensten ohne Konzession untersagt wird" heißt es in einer aktuellen Aussendung des kleinsten Mobilnetzbetreibers.

"Jede Umgehung der gültigen Rechtslage durch einen MVNO ginge vor allem zu Lasten der jungen echten GSM-Betreiber", betont Telering-Manager Hubertus Hofkirchner dabei. Auch 3 [Hutchison] begrüßt die Entscheidung, da sie "in Übereinstimmung mit dem Gesetz" erfolgt sei.

"Verzögerung, kein Todesstoß"

Tele2-Manager Norbert Wieser verwies im Gespräch mit der futureZone darauf, dass MVNOs ein international anerkanntes Geschäftsmodell darstellten.

Sein Unternehmen habe Vorgespräche mit der Regulierungsbehörde und dem [Verkehrs]Ministerium geführt und in der Folge eine Vorwahl [0688] und einen MNC [Mobile Network Code] zugeteilt bekommen. Entsprechend sieht er eine "180-Grad-Kehrtwendung gegenüber der bisheriger Spruchpraxis der Kommission - aus welchen Gründen auch immer".

Die Entscheidung würde "zu Lasten der Konsumenten unter dem Vorwand des Investitionsschutzes" gehen.

Tele2 selbst habe aber bereits einen zweistelligen Millionenbetrag in die Netz-Kernkomponenten investiert und beschäftige unmittelbar und mittelbar etwa 200 Personen.

Es ginge auch darum, so Wieser weiter, "dass bestehende Netze ihre Investitionen gewinnbringend nutzen können". Damit spricht Wieser den Mobilfunker One an, der Tele2 seine "Luftschnittstellen" [Sendeanlagen] zur Verfügung stellen will.

Dessen CEO Jorgen Bang-Jensen meinte gegenüber der fuZo: "Im Prinzip ist das eine Sache von Tele2. Aus Sicht von One kann ich sagen, dass der Bescheid das Projekt nur verzögern wird. Er bedeutet keinen 'Todesstoß'."

Start spätestens im Sommer 2003

Tele2 und One sind sich einig, dass die Entscheidung lediglich eine Verzögerung des Projektes bewirken werde.

Laut einer EU-Richtlinie, die bis spätestens 25. Juli 2003 in österreichisches Recht umgesetzt werden muss, würde die Verpflichtung zum Erwerb einer Lizenz überhaupt entfallen.

Dennoch plant Tele2 [außerordentliche] Rechtsmittel gegen den Bescheid zu ergreifen.