AOL-Chef will Merger rückgängig machen
Steve Case, Chef des weltgrößten Online-Dienstes AOL, hat sich vor Spitzenmanagern und einigen Investoren für eine [Wieder-] Ausgliederung der Internet-Sparte aus dem Medienkonzern AOL Time Warner ausgesprochen.
Dies berichtete die US-Tageszeitung "Wall Street Journal" am Dienstag unter Berufung auf Unternehmenskreise.
Eine Möglichkeit zur Gegenfinanzierung sähe der Chef des Dienstes demnach in einer Übernahme des profitablen Online-Aukionshauses Ebay. Die Sprecher des Gesamtkonzerns dementierten solche Pläne jedoch. Case selbst will sich zurzeit nicht in der Öffentlichkeit zur Zukunft des Unternehmens äußern.
AOL hat erst im September eine Neuorganisation der Geschäftsführung angekündigt. Die Rationalisierungen in der Top-Etage sind die ersten grundlegenden Veränderungen durch den seit August 2002 amtierenden AOL-Chefs Jonathan Miller.
Neuer AOL-Chef räumt Management aufBerg- und Talfahrt
AOL hatte sich seit seinem Bestehen zum größten Online-Dienst der Welt mit heute über 35 Millionen Kunden entwickelt. Höhepunkt der Unternehmensgeschichte war die Übernahme des Medienkonzerns Time Warner im Jänner 2001.
Seitdem laufen die Geschäfte jedoch schlecht. Die Nutzerzahlen stagnieren, Werbeeinnahmen sinken beständig, und die US-Börsenaufsicht SEC ermittelt wegen Bilanzfälschungen.
Dementsprechend mehren sich die Stimmen der Kritiker unter den Anlegern. Obwohl AOL im letzten Quartal wieder Gewinne verbuchen konnte, wird die Internet-Abteilung mit ihren 28 Milliarden USD Schulden mittlerweile als das schwarze Schaf innerhalb des Medienkonzerns angesehen.
Der Gewinn ohne Kosten wie Abschreibungen ist für AOl Time Warner im dritten Quartal von 24 Cent in der Vorjahreszeit auf 19 Cent je Aktie gefallen. Analysten hatten exakt mit einem Gewinn in dieser Höhe gerechnet.
Online-Geschäft belastet AOL Time WarnerTrennung empfohlen
Eine Trennung würde damit AOL Time Warner von einer schweren Last befreien. Andererseits wäre ein Überleben des hoch verschuldeten Online-Dienstes als eigenständiges Unternehmen fraglich.
Marktexperten in den USA raten dem Konzern schon seit geraumer Zeit, den Verlust bringenden Online-Bereich abzustoßen: "Sie sollten den Unternehmensbereich America Online ausgliedern, um die Wachtumszahlen des Konzerns nicht immer wieder zu verderben", sagte beispielsweise Michael Gallant, Analyst bei CIBC World Markets im August.
Während es gegenwärtig keine konkreten Pläne für eine derart radikale Umstrukturierung gebe, könnte ein solcher Schritt im nächsten oder übernächsten Jahr notwendig werden, will das "Wall Street Journal" damals aus dem Konzern erfahren haben.
AOL Time Warner soll AOL loswerdenUnsichere Position für Case
AOL-Gründer Steve Case selbst hat im Konzern seit der Fusion fortlaufend an Einfluss verloren.
Die "New York Times" berichtete letzten Monat sogar von Plänen des Verwaltungsrats, den Manager schlicht vor die Tür zu setzen.
Machtkampf bei AOL Time Warner
