Freie Konkurrenz schlägt MP3
In einem der Hörtests von Audioformaten hat sich die lizenzfreie MP3-Konkurrenz Ogg Vorbis gegen den De-facto-Standard MP3 durchgesetzt.
Ausgewählte Musik-Experten sowie über 3.000 Teilnehmer eines Online-Tests haben MP3 und seine Konkurrenten verglichen und bewertet.
Acht ausgewiesene Experten versammelten sich außerdem im "Peppermint-Pavillon", dem Studio des Musikproduzenten Mousse T., der unter anderem für Tom Jones den Hit "Sex Bomb" abgemischt hat. Außer Mousse T. strengten auch die Sopranistin Carmen Fuggiss von der Staatsoper Hannover, ein blinder Toningenieur, ein Tonmeister, ein zwölfjähriger Schüler und ein Decoder-Entwickler ihre Ohren an. Die Teilnehmer des Online-Tests luden sich die Soundschnipsel aus dem Internet herunter.
Ogg VorbisBeste Lösung
"Dass insbesondere bei der Kompressionsrate von 64 Kilobit pro Sekunde Ogg Vorbis ganz vorne lag, war eine echte Überraschung", berichtet unterdessen ein "c't"-Redakteur von der Testauswertung.
Für den Musikdownload, transportable Player mit teuren Flashkarten oder Internet-Radio ist das neue Verfahren demnach "eindeutig die beste Lösung".
Anders stellt es sich bei höheren Bitraten dar, hier konnte MP3 durchaus noch überzeugen.
Die Xiph Foundation hat Ogg Vorbis im Juli so weit entwickelt, dass der Codec als "fertig" gelten kann.
Freie MP3-Konkurrenz "fertig" gestelltDie MP3-Lizenzproblematik
Erst letzte Woche machte eine Meldung auf "Slashdot" darauf aufmerksam, dass die Fraunhofer-Gesellschaft und Thomson Multimedia schon vor eineinhalb Jahren stillschweigend die Lizenzmodelle für den MP3-Codec geändert haben.
Neben der Erhöhung einiger Patentgebühren dürfte die gravierendste Änderung sein, dass die früher gewährte Ausnahmeregelung für nicht kommerzielle MP3-Player für Privatanwender gestrichen wurde.
MP3-Lizenzgebühren stiften VerwirrungSpäte Reaktionen
Das erste Unternehmen, das auf das Bekanntwerden des gültigen MP3-Gebührenschemas reagierte, war Red Hat: Der Linux-Distributor entfernte alle MP3-Player aus seiner Entwickler-Version "Rawhide".
Und diesen Montag hat Suns Java Media Framework [JMF] Konsequenzen aus der rechtlich unsicheren Lage gezogen und jegliche MP3-Unterstützung aus der Multimedia-Schnittstelle entfernt.
Als Reaktion auf den Aufschrei der Open-Source-Community veröffentlichte Thomson Multimedia inzwischen allerdings eine Stellungnahme, in der erklärt wird, dass man auch weiterhin nicht vorhabe, für kostenlos verteilte MP3-Decoder Gebühren zu verlangen. Nur auf den guten Willen der Patentinhaber angewiesen zu sein, dürfte vielen Entwicklern allerdings nicht genügen, wie die Reaktionen von JMF und Red Hat zeigen.
Absatzbewegungen von MP3Ogg Vorbis erfreut
Der Ogg-Vorbis-Entwickler Xiph Foundation zeigte sich unterdessen
hocherfreut über das öffentliche Interesse zur MP3-Lizenzproblematik
und bedankte sich sogar in einem offenen Brief bei der
Fraunhofer-Gesellschaft und Thomson für die Negativwerbung, von der
Xiph sich positive Effekte für das eigene Format erhofft.
Der offene Brief
