28.08.2002

CODEC

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MP3-Lizenzgebühren stiften Verwirrung

Die Fraunhofer-Gesellschaft und Thomson Multimedia haben offensichtlich stillschweigend schon vor eineinhalb Jahren die Lizenzmodelle für den MP3-Codec geändert.

Neben der Erhöhung einiger Patentgebühren dürfte die gravierendste Änderung sein, dass die früher gewährte Ausnahmeregelung für nichtkommerzielle MP3-Player für Privatanwender gestrichen wurde.

Preiserhöhungen

Nach der aktuellen Preisliste sollen für jeden MP3-Decoder 0,75 USD an Patentgebühren fällig werden. Hersteller von Software-Decodern können stattdessen auch eine einmalige Zahlung von 50.000 USD leisten.

Offensichtlich gilt die Bestimmung auch für nichtkommerzielle Software - eine entsprechende Ausnahme fehlt jedenfalls.

Die Änderung der Lizenzbedingungen, die erst am Mittwoch durch eine Meldung auf "Slashdot" ins Bewusstsein der digitalen Öffentlichkeit gerückt wurde, hat bislang allerdings keine gravierenden Auswirkungen gehabt. Die Patentinhaber haben jedenfall bisher keine Anstalten gemacht, die Gebühren flächendeckend einzutreiben.

Trotzdem macht der eher mediale Vorfall vom Mittwoch noch einmal deutlich, dass MP3 keineswegs ein "freies" Format ist und seine Nutzung im Zweifelsfall gegen Rechte seiner Inhaber verstößt.

Games

Hersteller von Spielen, die in einer Auflage unter 5.000 Stück erscheinen, sind von MP3-Gebühren befreit. Bei einer höheren Auflage werden 2.500 USD Gebühren fällig.

Auftrieb für Alternativen

Die aktuelle Aufregung um die MP3-Patentbestimmungen könnte lizenzfreien MP3-Alternativen nachhaltigen Auftrieb geben, und hier vor allem "Ogg Vorbis".

Die Xiph Foundation hat ihre linzenzfreie MP3-Alternative inzwischen auch so weit entwickelt, dass sie seit letztem Monat als "fertig" gelten kann.

Das erste Unternehmen, das auf das jetzige Bekanntwerden des gültigen MP3-Gebührenschemas reagiert hat, scheint unterdessen Red Hat zu sein: Der Linux-Distributor hat alle MP3-Player aus seiner Entwickler-Version "Rawhide" entfernt.