14.12.2001

KARTELLSTREIT

Bildquelle: FuZo

"Raubtier" Microsoft und Open Source

Die angestrebte Einigung im Microsoft-Kartellprozess geriet bei der gestrigen Anhörung vor dem Justizausschuss des Senats ins Kreuzfeuer von Industrie und Komiteemitgliedern.

Allgemein wird bezweifelt, dass der Kompromissvorschlag Microsoft in Zukunft von einem Ausbau seiner Monopolstellung abhalten wird.

"Digitale Spaltung der Bevölkerung"

Der geladene Zeuge Matthew Szulik, CEO der Linux-Software-Firma Red-Hat, empfahl dem Komitee, den Vergleich als nicht ausreichend abzulehnen.

Bei seiner Argumentation attackierte er Microsoft vor allem mit deren eigenen Waffen.

So wies er etwa darauf hin, dass für viele Schulen und Universitäten die Microsoft-Lizenzen schlicht unerschwinglich seien und eine Monopolstellung die digitale Spaltung der Bevölkerung fördere.

"Unamerikanisch", "Krebsgeschwür"

Zum Beweis führte Szulik Äußerungen von Microsoft-Prominenz wie Steve Ballmer und Jim Allchin an, die Linux als Krebsgeschwür und Open Source als "unamerikanisch" sowie als Gefahr für geistiges Eigentum bezeichnet hatten.

Er zitierte den Generalstaatsanwalt von Massachusetts, Thomas Reilly: "Fünf Minuten nach der Unterzeichnung eines Abkommens denkt Microsoft schon darüber nach, wie man es ungestraft verletzen kann. Das sind Raubtiere."

In Sachen öffentlicher Meinung

Die vorgetragenen Argumente scheinen den Eindruck auf den Untersuchungsausschuss nicht verfehlt zu haben. So räumte der Vorsitzende des Hearings, Senator Leahy, ein: "Ich finde viele Bestimmungen des Vergleichs entweder reichlich vage oder leicht zu umgehen oder beides."

Unmittelbare Auswirkungen auf das laufende Kartellverfahren hat die Anhörung zwar nicht, der Senatsausschuss kann lediglich Empfehlungen aussprechen.

Insgesamt bläst jedoch Microsoft der Wind der öffentlichen Meinung immer mehr ins Gesicht.